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Grazetta

„Lass dir nichts EINREDEN“

Seit 1. Jänner 2023 ist Primaria  Dr. Carmen Siebenhofer Vorständin der Abteilung für Gynäkologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz. Im GRAZETTA-Interview erklärt sie, wie sie Karriere im Krankenhaus gemacht hat und was sie jungen Kolleginnen mit auf den Weg gibt.

GRAZETTAKönnen Sie uns Ihren  beruflichen Werdegang skizzieren?
CARMEN SIEBENHOFER • Ich habe meinen Sohn früh, zu Beginn meines Medizinstudiums bekommen und habe zu dieser Zeit angenommen, einmal als Stationsärztin oder Allgemeinmedizinerin zu arbeiten, da Ausbildungsstellen rar waren. Ich hatte nach dem Studium das Glück, bald einen Ausbildungsplatz an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im LKH Oberpullendorf bei Prim. Dr. Martin Fabsits im Burgenland zu bekommen. Dort konnte ich in vielen Teilbereichen wie IVF, Geburtshilfe, Urogynäkologie, Pränataldiagnostik und konservative Onkologie mitarbeiten. Es war eine besondere Situation, da an dieser Abteilung bereits damals viele Ärztinnen operativ tätig waren. Ich wurde in Oberpullendorf zur gynäkologischen Chirurgin ausgebildet. 2015 wechselte ich an die Abteilung für Gynäkologie der Barmherzigen Brüder Graz. Hier konnte ich mein operatives Wissen weiter ausbauen und vertiefen.

„Es ist ein Trugschluss, dass man bestimmte körperliche Merkmale
wie Größe oder Stärke mitbringen muss, um Chirurgin zu sein.“

Was muss man mitbringen, um Chirurgin zu werden?
CS • Kenntnis der Anatomie, strukturiertes Vorgehen, Ausdauer und handwerkliches Geschick sind die wichtigsten Voraussetzungen. Es ist ein Trugschluss, dass man bestimmte körperliche Merkmale wie Größe oder Stärke mitbringen muss. Es geht mehr um Technik und effizientes Arbeiten. Ich hatte nie das Gefühl, es als Frau nicht zu schaffen, lange im OP zu stehen.

Welchen Rat geben Sie einer jungen Ärztin, die Chirurgin werden möchte?
CS • Lass dir nicht einreden, dass es nicht geht oder zu schwierig ist. Natürlich kann man als Frau selbstständig operieren und nicht ‚bloß‘ assistieren. Wichtig ist, dass man es tut und dranbleibt. Nur so kann man operative Routine und Sicherheit im Umgang mit Komplikationen gewinnen.

Lass dich nicht abschrecken, wenn dein Ehrgeiz als aggressiv oder bossy bewertet wird. Hier ist die Wahrnehmung der Geschlechter noch traditionell verschieden. Männer werden als zielstrebig beziehungsweise führungsstark bezeichnet.

Ein Hauptgrund, warum viele Frauen nicht in Führungspositionen tätig sind, ist die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wie meistern Sie diesen Spagat?
CS • In meinem persönlichen Umfeld sind viele Frauen früh Mutter geworden und waren voll berufstätig. Somit hatte ich ein positives Bild davon. Als ich zu arbeiten begonnen habe, war mein Kind schulpflichtig. Durch eine großartige Tagesmutter, meinen Mann und meine Familie waren Dienste und Überstunden möglich. Mir wurde nie suggeriert, dass ich deshalb eine schlechte Mutter wäre. Umso fassungsloser bin ich, dass heute noch Frauen, die während der Schwangerschaft weiterarbeiten oder schnell nach dem Mutterschutz wieder voll zu arbeiten beginnen, deshalb gerade von anderen Frauen kritisiert werden. In einem operativen Fach kommt man aus der Übung, wenn man lange nicht oder nur selten operiert.

Mir ist wichtig, dass jede OP gut vorbereitet wird und ein strukturierter Behandlungsplan vorliegt.

Gab es Momente in Ihrer Karriere, in denen Ihre Kompetenz hinterfragt wurde, weil Sie eine Frau sind?
CS • Als ich mit der Ausbildung begonnen habe, haben noch viele Patientinnen gesagt, dass sie sich nicht von einer Frau operieren lassen wollen. Sie haben gefragt, ob wohl noch ein richtiger Arzt dazukommt. Mittlerweile verstummen diese Stimmen immer mehr. Es sollte im 21. Jahrhundert niemanden wundern, dass Frauen Ärztinnen oder Chirurginnen sind. Die Zukunft der Medizin ist weiblich.

Was sind Ihre Kernaufgaben im Krankenhaus?
CS • Ich versuche, im Hintergrund darüber zu wachen, dass unsere Patientinnen bestmöglich versorgt werden. Ich bin für die Koordination des täglichen Abteilungs- und OP-Ablaufes zuständig. 2022 haben wir das Ambulatorium für Gynäkologie in Zeltweg aufgebaut. Mir ist es zudem wichtig, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich mein Team weiterentwickeln kann, was letztlich wiederum zu einer besseren Patientinnenversorgung führt. Es gab in letzter Zeit eine spannende Erweiterung unseres Repertoires der Therapieansätze der Inkontinenz. Meine Kolleginnen sind ausgesprochen engagiert, ihr Spektrum zu erweitern – was ich, soweit es mir möglich ist, unterstütze.

Wie bilden Sie junge Chirurgen aus?
CS • Mir ist wichtig, dass jede OP gut vorbereitet wird und ein strukturierter Behandlungsplan vorliegt. Ich musste im Rahmen meines beruflichen Werdegangs viele Dinge früh selbstständig entscheiden und durchführen. Auch gab es das neue Arbeitszeitgesetz noch nicht. 50 Stunden-Dienste und bis zu 12 Dienste im Monat waren damals normal. Ich halte nichts von der Philosophie: ‚Bei mir war es so, deshalb musst du das auch so durchmachen.‘ Man beginnt als Assistenz im OP, übernimmt bald kleinere Eingriffe unter Supervision einer erfahrenen Kollegin. Essentiell ist es zu lernen, sich selbst einzuschätzen. Man soll keine Scheu haben, um Hilfe zu bitten und jemanden hinzuzuziehen. 


INFO

FRAUEN IM KRANKENHAUS DER BARMHERZIGEN BRÜDER

→ 75 Prozent aller Beschäftigten sind weiblich

→ 54 Prozent der Ärzte sind Frauen
→ 49 Prozent der Frauen arbeiten Vollzeit
→ 93 Prozent der Medizinisch-technischen Mitarbeiter sind Frauen
→ 65 Prozent der Führungspositionen sind in weiblicher Hand

Fotos: Conny Leitgeb; Werbung

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