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Grazetta

Hidden Champions

Distanzreiten, Unterwasser-Rugby oder Quadball, das sind Sportarten, die viele nicht am Schirm haben. Wer in einer sogenannten Randsportart aktiv ist, muss ohne mediales Interesse und ohne großzügige Sponsoren auskommen. GRAZETTA hat auf einem Rundgang Sportler-Persönlichkeiten getroffen, die in ihren weniger bekannten Disziplinen Außergewöhnliches leisten und daran viel Freude haben.
Foto: LUKArt/Sladjan Jankov

Kontaktsport mit Augenzwinkern: Quadball- Spieler der Graz Grimms

QUADBALL

GRAZ GRIMMS

Sagt Ihnen der Begriff Quidditch etwas? Wenn Ja sind Sie mit der Zauberwelt von Harry Potter bestens vertraut und man muss Ihnen Quadball nicht erklären. Wenn Sie sich, so wie ich, erst einlesen müssten: Vergessen Sie es. Quadball ist ein unglaublich lustiger und vielseitiger Ballsport, in dem Frauen, Männer und — darauf legen die Graz Grimms großen Wert — nicht-binäre Personen gemeinsam ein Team bilden. Quadball ist ein Vollkontaktsport, der Elemente von Rugby, Handball und Völkerball vereint. Gespielt wird mit einer Stange zwischen den Beinen als Reminiszenz an die fliegenden Besen.

Am Boden sorgt die Stange dafür, dass schnelle Spieler langsameren Spielern nicht so einfach davonrennen können und so den Ball in eines der kreisrunden Tore werfen können. Auf die Stürmer machen zwei andere Spieler Jagd. Trifft sie der Ball, müssen sie runter vom Besen. Im Laufe des Spiels betritt ein Schiedsrichter in gelbem Dress das Feld, an seiner Hose hängt ein mit Klettverschluss befestigter Ball, der „Schnatz“. Die Mannschaft, der es gelingt, sich diesen Ball zu greifen, beendet das Spiel. Die Graz Grimms trainieren auf der Passamtswiese im Stadtpark. Interessenten sind herzlich willkommen. E-Mail: graz.grimms@oulook.at

Foto: Rosa Wesiak

Wasserski-Jugendmeisterin Rosa Jelinek: „Man braucht Kraft, Geschicklichkeit und Mut.“

WASSERSKI

ROSA JELINEK
Vierfache österreichische Jugendmeisterin (U14) in den Wasserski-Disziplinen Slalom, Trick, Springen und Kombination.

Rosa Jelinek kommt aus einer Wasserski-Familie. Ein Haus und ein Boot am Ossiacher See haben vieles leichter gemacht. Nur dass das Wort leicht im Zusammenhang mit diesem rasanten Sport eigentlich nicht angebracht ist. „Man braucht Kraft , Geschicklichkeit und Mut“, sagt sie und erklärt das am Beispiel der Slalom-Bewerbe. Mit jedem Durchgang — mit jeder Anfahrt, wie die Wasserski-Fahrer sagen — steigt die Geschwindigkeit auf über 50 km/h, das Seil, mit dem einen das Boot zieht, wird mit jeder Anfahrt kürzer.

Um die Heckwelle des Bootes zu überwinden und die sechs Bojen zu umfahren, braucht es umfassende Athletik und Geschicklichkeit. Im Trick-Bewerb, bei dem es um Stunts wie im James Bond Film „Lizenz zum Töten“ geht, geht es um Körperbeherrschung. Jelinek beherrscht einen Salto, der 500 Punkte bringt. Amerikanische Spitzenfahrer bringen es pro Wettkampf auf bis zu 13.000 Punkte. Was auch mit den klimatischen Vorteilen der Amerikaner erklärt werden kann. Der Sport ist dort um ein Vielfaches populärer als in Österreich, eigene Wasserski-Schulen und Universitäten bilden den Nachwuchs aus. Dieses Angebot konnte auch Rosa Jelinek nutzen und fünf Monate lang in Florida trainieren. Sie ist Mitglied des österreichischen Kaders. Anfang August finden in Bremerhaven die U21 und die Behinderten- Europameisterschaften statt.

UNTERWASSERRUGBY

PAUL ROSENKRANZ
Trainer der Grazer Unterwasserrugby-Mannschaft

„Unterwasserrugby ist der einzige Teamsport, der in drei Dimensionen gespielt wird“, sagt Paul Rosenkranz. Und zwar mit ganzem Körpereinsatz, wie im Rugby über Wasser auch. Nur, dass man unter Wasser nicht nur um den Ball kämpft, sondern auch mit der Luft. Zwei bis dreimal kurz auftauchen zum Luft-schnappen und dann wieder weiterkämpfen. In einer Hand den mit Salzwasser gefüllten Ball, mit der anderen Hand, sich den Spieler der gegnerischen Mannschaft vom Leib halten.

Bild: Heinz Toperczer

Unterwasser-Rugby Team Graz: Sport in drei Dimensionen.

Und dann versuchen, den Tormann, vom Metallkorb, der als Tor dient, herunter zu bugsieren. Gespielt wird in einem 4,5 bis 5 Meter tiefen Becken, Länge und Breite des Beckens variieren. Jedes Team hat sechs Spieler im Wasser und sechs am Beckenrand, man spielt nicht länger als zweieinhalb Minuten. Dann gibt es einen fliegenden Wechsel. Drei Schiedsrichter überwachen die Einhaltung der Regeln. Zwei unter Wasser, einer am Beckenrand. Wer’s ausprobieren will: Im Herbst bieten die Grazer Tryouts an. Bis dahin kann man sich die Spiele auf Youtube anschauen. Informationen auf Instagram: @UnderWaterRugbyGraz

Foto: Benjamin Gasser

Distanzreiterin Elvira Birnstingl und Kismeth: Naturerleben und Pferdewohl.

DISTANZREITEN

ELVIRA BIRNSTINGL
Landesmeisterin Distanzreiten 2025

Kismeth Des Charmes ist eine Shagya-Araber Stute. Mit Elvira Birnstingl im Sattel war sie bei den steirischen Landesmeisterschaften im Distanzreiten vor einem Jahr nicht zu schlagen. Distanzritte werden in Österreich über Entfernungen von 20 bis 120 Kilometer ausgetragen. Distanzen also, die ein gründliches und geduldiges Heranführen von Pferd und Reiter an diese konditionelle Herausforderung erfordern. Sorgen um das Tierwohl muss man sich dabei keine machen.

Im Gegenteil: „In keiner anderen Pferdesportdisziplin hat das Wohl des Pferdes einen höheren Stellenwert“, sagt Elvira Birnstingl. Die Tierärztin Ivanna Antos ist Distanzreferentin im Steirischen Pferdesportverband. Sie war vor ihrer Pensionierung bei Wettkämpfen für die Vetchecks verantwortlich. „Der Gesundheitszustand jedes Pferdes wird am Start, nach jeder Etappe und im Ziel genau kontrolliert. Alle sieben Kilometer bekommt das Pferd zu trinken und eine Dusche.“ Hat das Pferd zum Beispiel einen zu hohen Puls, führt das sofort zur Disqualifikation. Lange Strecken in der freien Natur zu reiten, sensibel zu sein für das Wohlbefinden des Pferdes und mit ihm gemeinsam das Ziel zu erreichen, macht den Reiz des Sports aus. Die Landesmeisterschaften 2026 werden am 9. August in Pölfing Brunn ausgetragen.

Fotos: Kletterverband Steiermark

Nationalteam-Kletterer Christian und Julian Leitner (v.o.): Es geht um kreative Moves.

BOULDERN UND LEAD-KLETTERN

JULIAN UND CHRISTIAN LEITNER
Jugend Nationalteam Jugend-WM 2026

Die Liebe zum Klettern haben die beiden wohl über die Muttermilch mitbekommen. Die Grazer Christian und Julian Leitner kommen aus einer Bergsteiger-Familie. Der Großvater war Bergführer, die Buben waren im Kinderwagen dabei, wenn die Eltern beim Klettern waren. Die zwei Jungs gehören zu den besten Kletterern Österreichs ihres Alters in den Sparten Bouldern und Leadklettern. Christian Leitner war Vize-Europameister 2025, Europameister 2024 und Vizestaatsmeister in der allgemeinen Klasse.

Worauf es in seinem Sport ankommt, erklärt er so: „Man braucht ein großes Ausmaß an Kraft ausdauer.“ Und man muss sich, wie sein Bruder Julian sagt, „kreative Moves“ zutrauen, um von einem möglichen Griff zum nächsten zu kommen. Beim Bouldern ebenso wie beim Leadklettern. Beim Bouldern geht es um relativ kurze Strecken, die nie höher als vier Meter sind. Man klettert ohne Seil, am Boden liegen dicke Matten für den Fall des Falles. Beim Leadklettern ist man gesichert und muss anspruchsvolle Routen im Vorstieg bis zum höchsten erreichbaren Griff klettern. Das Klettern erlernen kann man in Kletterhallen recht gut. So richtig spannend wird es aber dann im echten Felsen. Dort den nächsten Griff zu finden und zu erreichen, darum geht’s. Instagram: @leitnerchristian, @julsi_leitner

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