Die Steiermark steht vor großen Herausforderungen: wirtschaftliche Unsicherheiten, Fachkräftemangel, steigende Budgetanforderungen und der rasante technologische Wandel prägen die Entwicklung. Im Gespräch mit GRAZETTA spricht Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer über Chancen, Ziele und die Weichenstellungen für die kommenden Jahre.

GRAZETTA • Die öffentlichen Haushalte stehen unter Druck. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für das steirische Landesbudget in den kommenden Jahren – und wo möchten Sie trotz der Sparzwänge investieren?
WILLIBALD EHRENHÖFER • Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten braucht es einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Unser Ziel muss sein, jeden Euro möglichst effizient einzusetzen und dort zu investieren, wo langfristig Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation entstehen. Nur dann stellen wir sicher, dass die Steiermark als Standort in Zukunft wachsen kann. Deshalb müssen wir bestehende Förderstrukturen evaluieren und Doppelgleisigkeiten vermeiden. Wir müssen stärker priorisieren und Mittel gezielt dort einsetzen, wo sie entsprechende Wirkung erzeugen. Worauf wir jedenfalls nicht verzichten dürfen, sind Investitionen in Forschung, Innovation, Infrastruktur und Qualifizierung. Das sind die Grundlagen für zukünftigen Wohlstand.
Die Steiermark gilt als Innovationsstandort. Welche Branchen werden Ihrer Meinung nach die wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in den nächsten zehn Jahren besonders prägen?
WE • Wir haben eine international erfolgreiche, starke Industrie und viele spezialisierte, engagierte Unternehmen, die unseren Wirtschaftsstandort prägen. Es werden auch künftig vor allem jene Bereiche im Mittelpunkt stehen, in denen die Steiermark bereits jetzt international Spitzenleistungen erbringt – und wo Zukunftsmärkte entstehen. Das sind vor allem grüne Technologien, Mobilität – insbesondere Bahn und Luftfahrt – Life Sciences oder Mikroelektronik. Darüber hinaus sind heimische Unternehmen auch in den Bereichen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz international sichtbar, wenn ich etwa an das Thema Cyber Security denke. Diese Sektoren müssen wir weiter forcieren, um auch in Zukunft ein wettbewerbsfähiger und erfolgreicher Standort zu sein.
Viele Unternehmen suchen dringend Fachkräfte, gleichzeitig verändern Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt. Wie kann die Steiermark beide Herausforderungen erfolgreich bewältigen?
WE • Wir müssen den Spagat zwischen demographischer Entwicklung und technologischem Wandel als Balanceakt bewältigen. Wir müssen sicherstellen, möglichst vielen Steirerinnen und Steirern Chancen auf einen Arbeitsplatz zu bieten. Wir haben daher bei allen Maßnahmen im Arbeitsressort den ersten Arbeitsmarkt im Fokus. Ein wesentlicher Schlüssel dabei ist es, für Arbeitssuchende sowie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Angebote zu schaffen, die die aktuellen Anforderungen der Arbeitswelt berücksichtigen. Wir tun dies etwa durch die Digitalisierungsstiftung oder das Projekt DIGI:base, der Plattform zur Beratung und Vernetzung, das dazu beitragen soll, die digitalen Kompetenzen zu stärken – auch im Hinblick auf Künstliche Intelligenz.
Ich möchte dafür sorgen, dass Unternehmen
WILLIBALD EHRENHÖFER, Landesrat Steiermark
in der Steiermark wachsen können.
Die Steiermark verfügt über eine starke Hochschul- und Forschungslandschaft. Wie kann es gelingen, wissenschaftliche Erkenntnisse noch stärker in wirtschaft-lichen Erfolg und neue Arbeitsplätze umzuwandeln?
WE • Indem wir die seit vielen Jahren hervorragend funktionierende Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Hand weiter stärken. Sie ist die zentrale Voraussetzung dafür, dass die Steiermark auch künftig ein wettbewerbsfähiger Standort bleibt und unsere Wirtschaft wachsen kann. Denn gerade in Zeiten großer Veränderungen – wie wir sie aktuell mit der Digitalisierung oder der Grünen Trans formation erleben – ist Kooperation ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Unsere Forschungslandschaft ist mit 5,32 Prozent F&E-Quote im internationalen Spitzenfeld.
Standort Steiermark: Wenn Sie einem internationalen Investor in einer Minute erklären müssten, warum er sich für die Steiermark entscheiden sollte, welche drei Argumente würden Sie nennen?
WE • Erstens die hohe Lebensqualität dank intakter Natur, Sicherheit, sauberem Trinkwasser, gesunden Lebensmitteln und vielem mehr. Zweitens die hervorragend ausgebildeten, mutigen, kreativen und leistungswilligen Menschen. Und drittens das Ökosystem aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen, mit dem die Steiermark international sichtbar ist.
Welches Projekt oder welche Entscheidung möchten Sie am Ende der Legislaturperiode unbedingt umgesetzt haben, damit Sie sagen können: „Das hat die Steiermark nachhaltig vorangebracht“?
WE • Ich möchte dafür sorgen, dass Unternehmen in der Steiermark wachsen können. Dafür ist es etwa unabdingbar, dass wir Bürokratie abbauen und Verfahren beschleunigen. Wir müssen schneller, effektiver und effizienter werden. Hier müssen wir rasch zu konkreten Ergebnissen kommen, denn der Abbau bürokratischer Hürden ist die beste Wirtschaftsförderung. Insgesamt möchte ich mehr Investitionen im Land anreizen und damit dazu beitragen, dass wir weniger arbeitslose Menschen haben. Das führt dann auch zu mehr Wertschöpfung. Darüber hinaus ist mir ein ausgeglichenes Budget wichtig und ich möchte die internationale Sichtbarkeit des Standortes Steiermark erhöhen.
Foto: Lukart/Sladjan Jankov






