SPÖ-Spitzenkandidatin Doris Kampus will in jedem Grazer Bezirk ein Gesundheitszentrum errichten und damit die langen Wartezeiten bekämpfen. Ihr Ziel bei der Graz-Wahl Ende Juni: Der Wiedereinzug in den Stadtsenat. Am liebsten als Stadträtin für Gesundheit.

GRAZETTA • Sie wollen mit Gesundheitszentren in den Bezirken den Zugang zu medizinischer Versorgung verbessern. Welche Aufgabe hat dabei die Stadt Graz.
DORIS KAMPUS • Wir haben lange nicht wahrhaben wollen, dass wir auch in Graz ein massives Versorgungsproblem haben. Viele Gespräche mit Bürgern haben mir das Ausmaß des Problems vor Augen geführt. Wenn man Bezirksvorsteherin ist, so wie ich in Andritz, wird man darauf angesprochen, wie schwer es ist, einen Arzttermin zu bekommen. Das hat bei mir den Blick auf die Dringlichkeit des Problems geschärft. Früher sind wir einmal stolz auf das österreichische Gesundheitssystem gewesen. Es hat keine Zwei-Klassen-Medizin gegeben. Heute ist das nicht mehr so und das akzeptiere ich nicht.
Was kann man mit dem Ausbau von Gesundheitszentren erreichen?
DK • Derzeit gibt es in Graz sieben Primärversorgungseinrichtungen, ich bezeichne sie lieber als Gesundheitszentren. Ich will in jedem Bezirk so ein Zentrum, also insgesamt 17. In einem Gesundheitszentrum arbeiten mehrere Allgemeinmediziner, Fachärzte und Therapeuten. Dadurch kann man längere Öff-nungszeiten anbieten. Und es wird für Ärzte und Therapeuten leichter, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Im Idealfall ist das Zentrum 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen geöffnet. Ich möchte dort aber auch ein kleines Café haben, in dem sich Menschen treffen und miteinander plaudern können. Gerade ältere Menschen leiden oft unter Einsamkeit, darunter, den Alltag nicht mehr allein bewältigen zu können. Deshalb muss es im Gesundheitszentrum auch Sozialarbeiter geben.
Was ist die Aufgabe der Stadt in dieser Sache?
DK • Gesundheitszentren gibt es auch in vielen kleinen steirischen Gemeinden. Der Grund dafür ist einfach: Die Gemeinden haben Gebäude, also die Infrastruktur, zur Verfügung gestellt. Das kostet erstmal kein Geld. Ich finde aber, dass der Stadt Graz gut anstehen würde, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Die Stadt hat jetzt fünf Jahre lang viel Geld in die Infrastruktur investiert. Das war richtig und notwendig. In den kommenden fünf Jahren sollte das Hauptaugenmerk aber auf der Verbesserung der Gesundheitsversorgung liegen.
Sie brauchen für diese Ausbaupläne die Unterstützung des Landes und des Bundes.
DK • Natürlich müssen wir auch das Land Steiermark ins Boot holen. Wenn das Land Geld für den Ausbau in die Hand nimmt, würden wir dadurch auch mehr Bundesmittel bekommen. Wie das geht, hat Wien vorgemacht. Wir wollen aber 17, in jedem Bezirk eines. Das heißt: Stadt und Land müssen mehr Geld in die Hand nehmen, damit wir für die zusätzlichen Gesundheitszentren vom Bund Geld bekommen.
Graz hat in einem Pilotversuch 15 pflegende Angehörige angestellt. Sie wollen mehr Menschen anstellen. Kann sich die Stadt das leisten?
DK • Dieses Projekt der Anstellung pflegender Angehöriger gibt es in Graz, weil die SPÖ es zur Bedingung für eine Koa lition mit KPÖ und Grünen gemacht hat. Die Grazer SPÖ will in den kommenden fünf Jahren den Fokus auf Gesundheit und Pflege richten. Auch wenn es um Finanzmittel geht. Politik bedeutet, Prioritäten zu setzen. Die Stadt kann sich das durchaus leisten. Die 15 pflegenden Angehörigen haben der Stadt pro Jahr rund 700.000 Euro gekostet. Wenn die Stadt, wie ich es mir wünsche, zehnmal so viele Angehörige anstellt, dann kostet das sieben Millionen pro Jahr. Bei einem Milliardenbudget muss das möglich sein. Und man darf nicht vergessen, dass es sich dabei um eine wichtige Maßnahme vor allem für Frauen handelt, die diese so wichtige Arbeit übernehmen. Mit der Anstellung sind sie kranken- und pensionsversichert. Damit leistet man einen Beitrag, um Altersarmut von Frauen zu verhindern.
Sie sind Spitzenkandidatin der SPÖ. Was ist Ihr Ziel am 28. Juni?
DK • Ich will die SPÖ wieder in den Stadtsenat, also in die Stadtregierung, bringen. Am liebsten mit dem Ressort Gesundheit. Verhandlungen mit dem Land und dem Bund aufzunehmen, damit wir bei den Gesundheitszentren vorankommen, ist das Erste, was ich nach der Wahl in Angriff nehmen werde. Wir können nämlich nicht länger wegschauen. Ich bin Mutter einer schwer behinderten Tochter und ich weiß, was es bedeutet, wenn das Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt wird.
Sie haben es sehr bedauert, dass derEurovision Songcontest nicht in Graz über die Bühne geht. Sind Sie ein Fan?
DK • Wir haben uns als SPÖ sehr dafür eingesetzt, weil der ESC eine tolle Veranstaltung ist. Es wäre schön gewesen, wenn wir internationale Künstler und ein internationales Publikum nach Graz holen hätten können. Der zweitgrößten Stadt Österreichs hätte das gut angestanden. Ich finde, dass Menschen auch ein Anrecht auf Freude haben. Gemeinsames Erleben stärkt das Wir-Gefühl.
Foto: LUKArt/Sladjan Jankov






