Das Familienunternehmen von Manfred Schmelzer hat sich schon früh auf Energieeffizienz spezialisiert. Mit Wärmepumpen, Kühl- und Klimaanlagen macht er klar zur Wärmewende. Dann trifft er auf den lehrenden Internetexperten Walter Rath. Handwerk trifft auf Künstliche Intelligenz. Eine gemeinsame Idee wird zum Segen für die Umwelt.

GRAZETTA • Das sich ein Lehrender an einer Fachhochschule und Universität mit einem Meister der Kälte- und Klimatechnik über unternehmerische Visionen austauscht, ist nicht alltäglich. Wie kam es zu dieser Synergie?
WALTER RATH • Ein Freund von mir suchte aufgrund gesundheitlicher Probleme eine Nachfolge für seine Firma und deren Mitarbeiter. Leider ohne Erfolg. Auf der anderen Seite hatte Manfred Schmelzer mit seiner Smart CoolHeating GmbH die passende Plattform für neue kompetente Mitarbeiter. Die Smart CoolHeating GmbH bietet gewerblichen Kunden spezialisierte und effiziente Lösungen in den Bereichen Heizung, Klima, Energie und Wasseraufbereitung und privaten Kunden umfassenden Service und permanente Wartung. Manfred Schmelzer und seine Firmengruppe sorgen seit Jahren mit Wärmepumpen, Kühl- und Klimaanlagen für innovative Energieeffizienz und so übernahm er die Mitarbeiter in verschiedenste Bereiche seiner Holding. Daraufhin setzten wir uns zusammen und entwickelten gemeinsam Ideen für die Zukunft. Als freiberuflich Lehrender für digitales Marketing schwerpunktmäßig im Studienzweig Wirtschaftsinformatik an der FH CAMPUS 02 und an der Donauuniversität Krems und aufgrund meiner hauptberuflichen Tätigkeit bei Xerox Lexmark kenne ich die Anforderungen an Klein- und Mittelbetriebe und an öffentliche Bereiche sehr gut. Für mich ist es immer wieder ein Anreiz, Forschung und Digitalisierung mit klassischem Handwerk zu verbinden.
MANFRED SCHMELZER • Der gemeinsame Ansatz ist, dass wir das Handwerk mit Künstlicher Intelligenz auf ein neues Level heben und Walter unterstützt dabei mit seiner 25-jährigen Erfahrung aus der Forschung und mit seinem Netzwerk an der FH CAMPUS 02. Das führt zu einem Austausch, von dem beide profitieren. Ich bringe die Erfahrung ein und biete damit den Studierenden die Möglichkeit, in der Praxis zu forschen.
Welche Vorteile ergeben sich aus diesem Zusammenschluss für Ihr Unternehmen und Ihre Kunden?
MS • Durch die Erfahrung und Kompetenz in Marketing und Künstlicher Intelligenz, die Walter in unsere Expertisen einfließen lässt, können wir noch umsichtiger und effektiver agieren und die Wärme-wende herbeiführen. Das Handwerk wird durch den gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Wettbewerb stärker. Gerade in Prozessen, die sich automatisieren lassen und in der Qualitätssicherung. Strukturen werden schlanker und schaffen Potenziale, die in Bereichen wirken, in denen sie definitiv gebraucht werden. Der Einsatz gewisser Systeme der KI schafft etwa für unsere Techniker eine immense Zeitersparnis, da sie sich weniger um Dokumentation und administrative Aufgaben kümmern müssen. Dafür fokussiert er sich verstärkt auf seine Tätigkeiten beim Kunden vor Ort. Die Kooperation von Handwerk und Künstlicher Intelligenz steht noch am Anfang, wird aber sukzessive nach oben skaliert.
WR • Grundsätzlich profitiert davon jeder, der Energie langfristig effektiv nutzen und optimieren möchte. Das gilt für private und gewerbliche Objekte, für Neubauten und Sanierungen. Es gilt dabei, die Nutzung aus der Vogelperspektive im Gesamten zu betrachten. Wie sieht das Nutzungsverhalten in drei oder in zehn Jahren aus? Dafür wird ein detaillierter Stufenplan erarbeitet. Mit entsprechenden Systemen kann man auf die Bedürfnisse des Nutzers oder des Bewohners eingehen. Das Resultat sind Effizienz und Wohlbefinden. Die Energieschiene wird so gelenkt, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt.
Und diese Systeme werden über die Künstliche Intelligenz vom Unternehmen gesteuert?
WR • Für die Energieeffizienz, wie wir sie denken, bedarf es einer KI, die sich den Anforderungen der betreffenden Personen unterordnet und die deren Ansprüche automatisiert. Eine firmeninterne KI, wie wir sie seit vielen Jahren kennen, analysiert und sichert die Qualität der Daten, damit sie nicht verunreinigt werden. Wir streben unter anderem einen Predictive Service und damit eine Strategie an, die Künstliche Intelligenz nutzt, um Instandhaltung und Wartungen von Klimaanlagen und Wärmepumpen zeitlich vorherzusagen. Damit können Termine mit den Kunden schon vorab optimal abgestimmt werden.
MS • Aktuell sieht es in der Praxis so aus, dass in einem Objekt verschiedenste Hersteller ihre Produkte installieren und es keinen Anbieter gibt, der sie optimal miteinander vernetzt und somit eine einheitliche Lösung herbeiführt. Unser Anspruch ist es, dies zu ändern und mit einer speziellen KI alle Geräte in einem Objekt von der Waschmaschine über die Wärmepumpe und Klimaanlage bis hin zur E-Ladestation zu koordinieren.
Lehrveranstaltungen erhalten durch Praxisnähe und erfahrene
WALTER RATH
Kompetenz eine unbezahlbare Realität und Vielschichtigkeit.

Die Kooperation von Handwerk und Künstlicher Intelligenz steht
MANFRED SCHMELZER
noch am Anfang, wird aber sukzessive nach oben skaliert.
In der Manfred Schmelzer GmbH gibt es ein eigenes Haus, in dem seit zwei Jahren die Innovationen mit Steuerungssystemen getestet werden. Welchen Mehrwert ziehen Sie daraus
MS • Dadurch können in erster Linie Daten über den Stromverbrauch in Echtzeit abgeleitet werden. Zudem wird ersichtlich, welche Leistungen zu welcher Zeit angefordert werden und wie der Verbrauch sich auf den Preis auswirkt. Diese Systeme implizieren die klimatischen Verhältnisse, berücksichtigen sie und optimieren den Energiebedarf innerhalb der folgenden zwölf Stunden. Von den praktischen Erkenntnissen der Manfred Schmelzer GmbH profitieren sowohl Kunden im Agrarsektor durch optimierte Kühlanlagen als auch große Industriebetriebe in der Steiermark und ganz Österreich. Zur Holding gehört zudem die auf Klimaanlagen, Klima- und Kältetechnik in der Gastronomie spezialisierte Firma MY Technik. Die Smart CoolHeating GmbH agiert als Partner für Haustechnikunternehmen und Installateure bei der Inbetriebnahme und Wartung von Wärmepumpen. Eine weitere Energiegesellschaft, die den Fokus auf Batteriespeicher und Photovoltaik legt, befindet sich in Gründung. Mit dem Verleih von Tesla Fahrzeugen wird das energieeffiziente Angebot abgerundet. Jeder Teil dieses Portfolios führt zu einem Mehrwert für den Kunden.
WR • Handelt es sich dabei um Kunden aus der Industrie, werden Systeme und Programmsprachen von Siemens eingesetzt. Bei privaten Objekten vertrauen wir auf ganzheitliche Systemlösungen von Loxone, die mit Automatisierung alle Bereiche des Smart Homes abdecken. Zusätzlich fließen die Erfahrungen aus der Praxis in einen Chatbot ein, der speziell für die Leistungen rund um Wärmepumpen und Klimaanlagen programmiert wurde. Dieser steht dem Kunden mit klarer Kommunikation, gefilterter Information und digitalem Erstkontakt, wie etwa Terminvereinbarungen auch außerhalb der Betriebszeiten, zur Verfügung.
In der Manfred Schmelzer Holding sind über 50 Mitarbeiter beschäft igt. Auch Ihre Frau und Ihre beiden Kinder arbeiten in dem Familienunternehmen, das Sie vor fast 30 Jahren von Ihrem Vater übernommen haben. Birgt der wachsende Einsatz von KI nicht auch die Gefahr von Personalabbau?
MS • Mit dem Einsatz der KI wird sich die Beschäftigungsstruktur zweifelsohne verlagern und dies birgt meiner Meinung nach keine Gefahr, sondern Chancen zu gesteigerter Effi zienz. Die bürokratische Arbeit wird weniger werden, dafür braucht es künft ig mehr Techniker. In unserer Holding werden KI-Assistenten Bereiche in der Verwaltung oder Rechnungskontrolle in den nächsten zwei Jahren abdecken. Aber dieser Prozess ist bereits in vielen Branchen und Unternehmen eingeleitet worden. Mitarbeiter werden nicht ersetzt, sondern übernehmen andere Aufgaben. Das Handwerk wird in den nächsten 20 Jahren einen goldenen Boden haben und Schlüsselpositionen besetzen.
WR • Nicht die KI ersetzt Unternehmen, sondern Unternehmen, welche die KI gezielt und professionell einsetzen, werden künftig den Mitbewerber ersetzen. Diese Entwicklung ist definitiv auch eine gesellschaftliche Herausforderung, die viele Fragen aufwirft . Immer mehr KI-Systeme sind über Fernwartungen bei Chatbots im Einsatz und ziehen in Logistik und Automatisierung ein. Dazu kommen humanoide Roboter, die in Bereichen der Automatisierung bereits präsent sind. Die KI bietet für weniger gut ausgebildete Arbeitskräft e ohne spezielle Vorbildung die Chance, binnen kurzer Zeit geforderte Tätigkeiten zu erlernen und produktiv umsetzen.
In der Vergangenheit errichtete die Manfred Schmelzer GmbH in Niederösterreich 150 Kühlhäuser und war mit der Planung und Installation von klimatisierten Querschlägern im Koralmtunnel betraut. Werden die Projekte aufgrund der KI künft g noch größer?
MS • Natürlich ist es unser langfristiges Ziel, weiterhin zu wachsen. Die KI wird ihren Beitrag dazu leisten und auf unserem unternehmerischen Fundament aufb auen. Dieses basiert auf unserer Erfahrung, was den geschlossenen und effizienten Energiekreislauf anbelangt. Und auf der Überzeugung, mit erneuerbaren Energiequellen Kosten zu senken und die Wärmewende herbeizuführen.
WR • Wie schon angesprochen, kommt diese Überzeugung auch der Forschung und den Studierenden an der FH CAMPUS 02 zugute. Denn dieser pragmatische Zugang begleitet Studierende auf ihrem Weg zum Beruf und deckt den laufenden Bedarf der Wirtschaft ab. Lehrveranstaltungen erhalten durch Praxisnähe und erfahrene Kompetenz eine unbezahlbare Realität und Vielschichtigkeit.
Die unternehmerische Philosophie der Manfred Schmelzer Holding ist der Umwelt gewidmet. Der Fuhrpark besteht aus einer Flotte von 25 Elektrofahrzeugen. Der hocheffektive Batteriespeicher des Betriebes war der erste seiner Art in Graz. Fühlen Sie sich durch die aktuelle geopolitische Lage in Ihren frühen Entscheidungen bestätigt?
MS • Mit umweltfreundlichen Energiesystemen befasse ich mich bereits seit 17 Jahren. Damals bauten wir bei einem renommierten Automobilzulieferer einen Prüfstand mit 1.000 kW an Rückleistung. Da wurde mir bewusst, dass die Hauptenergie beim Verbrennungsmotor in die Abwärme fließt. Das war die Initialzündung für mein Umdenken. In der Folge stellte ich die Gasheizung zu Hause auf Photovoltaik um und tauschte mein Auto mit Verbrennungsmotor für das erste E-Fahrzeug ein. Der Betrieb wird mittlerweile von einem 400-kWh-Batteriespeicher versorgt und ist daher von Mitte Februar bis Anfang November energieautark. Der Fuhrpark wird in der Nacht mit bester ÖKO-Energie geladen. Im Sommer erzeugen wir, was im Winter gebraucht wird. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir die vier Monate im Jahr auch noch überbrücken werden. Wir sind heute ein Unternehmen, das mehr Emissionen aus der Luft nimmt, als es einbringt. Pro Jahr bekommen wir deswegen bis zu 3.000 Euro an Förderungen. Und das kommt nicht von den 2.000 Bäumen, die ich pflanzen ließ. Klimawandel und Energiewende passieren in erster Linie im Kopf.

Die Manfred Schmelzer Holding verfügt auch über einen Fuhrpark mit 25 E-Fahrzeugen.
Fotos: Benjamin Gasser






