Steigende Kosten in der Landwirtschaft, Klimawandel und leistbares Wohnen beschäftigen viele Steirer. Im GRAZETTA-Interview zieht die zuständige Landesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) Bilanz über das vergangene politische Jahr.

GRAZETTA • Die steirische Landwirtschaft steht unter Druck. Welche Maßnahmen setzen Sie, damit bäuerliche Familienbetriebe eine Zukunftsperspektive haben?
SIMONE SCHMIEDTBAUER • Für eine starke heimische Land- und Forstwirtschaft braucht es eigentlich nur zwei Dinge: Erstens: Die richtigen Rahmenbedingungen wie Rechtssicherheit bei Stallbauten, effiziente Beratung und gezielte Förderanreize. Zweitens braucht es faire Preise und verantwortungsbewusste Konsumenten, die zu heimischen Produkten greifen. Für die Rahmenbedingungen sind wir als Politiker verantwortlich. Wir haben zum Beispiel mit gezielter Bewässerungsförderung die Anpassung an den Klimawandel für den Obstbau vorangetrieben. Wir haben mit der Schweinehaltung der Zukunft für Rechtssicherheit in dieser Branche gesorgt. Wir haben auch die Pauschalierung erhöht, um ein faires Steuerrecht zu gewährleisten. Was den Markt für landwirtschaftliche Produkte betrifft: Die Politik hat nur einen begrenzten Einfluss auf das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Aber wir können Anreize setzen. Im Bereich der Kantinen und Großküchen werden heute mehr regionale Lebensmittel verwendet. Das ist wichtig, weil mittlerweile etwa jede zweite Mahlzeit außer Haus eingenommen wird. Eine lückenlose Herkunftskennzeichnung ist der nächste Schritt.
Extremwetterereignisse nehmen zu. Wie bereitet sich die Steiermark auf diese Herausforderungen vor und welche Rolle spielt dabei eine nachhaltige Wasserwirtschaft?
SCHMIEDTBAUER • Für mich ist die Klimawandelanpassung eine der größten Herausforderungen der Politik, insbesondere im agrarischen Bereich. Wir haben hier schon vieles auf den Weg gebracht: Wir forcieren die Bewässerung, haben Studien in Auftrag gegeben und forschen in der Steiermark zu klimaresistenten Anbausorten. Mein Herzensprojekt ist das Wassernetzwerk Steiermark 2050. Das ist die größte Investition in die Wasserversorgung der gesamten Steiermark seit Jahrzehnten. Wir investieren mit unseren Partnern 150 Millionen Euro in starke Leitungen, die das Wasser vom wasserreichen Norden in den trockeneren Süden und Osten bringen. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir zwar mehr als genug Wasser haben, aber es ist nicht gleichmäßig verteilt. Mit dieser Investitionsoffensive stellen wir eine flächendeckende Versorgung mit Trinkwasser, der wertvollsten Ressource der Welt, in allen Teilen der Steiermark sicher.
Mein Herzensprojekt ist das Wassernetzwerk Steiermark 2050.
SIMONE SCHMIEDTBAUER
Mit dieser Investitionsoffensive stellen wir eine flächendeckende
Versorgung mit Trinkwasser, der wertvollsten Ressource der Welt,
in allen Teilen der Steiermark sicher.
Leistbares Wohnen beschäftigt viele Steirer. Welche Schwerpunkte setzen Sie im Wohnbau, damit Eigentum und Mietwohnungen wieder leistbarer werden?
SCHMIEDTBAUER • Ich bin eine Kämpferin für Eigentum. Wohneigentum ist für viele Menschen mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Es steht für Sicherheit, Unabhängigkeit, Eigentum ist eine wichtige Form der Altersvorsorge. Deshalb ist es mir ein Anliegen, dass sich möglichst viele Steirer diesen Wunsch auch leisten können. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen das schwieriger: Hier setzen wir mit unserer Eigenheimförderung von bis zu 80.000 Euro an. Es braucht für einen ausgewogenen Markt aber auch leistbare Mietwohnungen. Wir haben ein Geschoßbauprogramm, mit dem wir tausende geförderte Wohnungen bauen. Das ist nicht nur ein kraftvoller Konjunkturmotor, sondern sorgt auch für leistbare Mieten. Geförderte Wohnungen sind rund um ein Viertel günstiger als frei finanzierte.
Der Wald ist für die Steiermark wirtschaftlich, ökologisch und als Erholungsraum von großer Bedeutung. Wie gelingt der Spagat zwischen Nutzung und Klimaschutz?
SCHMIEDTBAUER • Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Ökologie und Ökonomie. Bewirtschaftete Wälder speichern CO₂ sogar besser als nicht bewirtschaftete. Rund 40.000 Forstwirte legen die Basis für eine Wirtschaftsleistung entlang der Wirtschöpfungskette Holz von rund 12 Milliarden Euro. Wir wollen unsere Wälder daher nützen, und nicht nur schützen und sie zu Kohlenstoffmuseen verkommen lassen. Ich bin stolz darauf, dass wir in der Steiermark das Holzbauland Nummer Eins sind. Im geförderten Wohnbau bauen wir bereits zu rund 30 Prozent mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz.
Wenn Sie jetzt auf das vergangene politische Jahr zurückblicken: Woran können die Steirer erkennen, dass Sie in Ihrem Ressort etwas bewegt haben?
SCHMIEDTBAUER • Ich kann auf einen Ausbauturbo für erneuerbare Energie verweisen, auf eine Klimapolitik mit Hausverstand, eine neue Eigenheimförderung und eine neue Sanierungsförderung. Ich habe für ein praxistaugliches Prädatoren-Management gesorgt, mich bedingungslos für die heimische Land- und Forstwirtschaft eingesetzt und das bereits angesprochene Wassernetzwerk Steiermark auf den Weg gebracht.
Foto: Benjamin Gasser






