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Grazetta

„Gesundheit entsteht IM ALLTAG“

Der Arzt und Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) erklärt im GRAZETTA-Interview, warum Treppensteigen manchmal mehr bringt als die beste Gesundheitsreform und warum man als Arzt und als Politiker zuhören können muss.

GRAZETTA • Was hat einen Arzt gereizt, in die Politik zu gehen? Und welche Überraschungen erleben Sie im politischen Alltag?
KARLHEINZ KORNHÄUSL • Dass die Steirer rascher zum Termin und schneller zu einer Behandlung kommen, das ist eines meiner wichtigsten Ziele. Politik gibt einem dabei die Möglichkeit, Strukturen zu verändern und nicht nur die gesundheitlichen Probleme Einzelner zu lösen. Als Arzt habe ich im System gearbeitet, als Landesrat habe ich die Möglichkeit, am System zu arbeiten. Aber im Mittelpunkt steht immer der Patient mit seiner persönlichen Geschichte. Daher ist mir als Arzt und als Landesrat das Zuhören am wichtigsten.

Gesundheit bedeutet mehr, als nur nicht krank zu sein. Wie gesund sind die Steirer und wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?
KHK • Bei all den Baustellen, die wir im System haben und an denen wir arbeiten, dürfen wir nicht übersehen, dass wir in Österreich, in der Steiermark, eine sehr gute Versorgung haben. Gesundheit entsteht im Alltag, bei der Arbeit, Ernährung, mit psychischem Wohl-befinden, mit Bewegung und Sport.

Sport ist für viele Menschen Ausgleich, für andere Leistungsdruck und für manche überhaupt kein Thema. Was kann die Politik tun, damit Bewegung nicht erst dann wichtig wird, wenn der Arzt sie verschreibt?
KHK • Wir müssen als Gesellschaft die Eigenverantwortung wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Es muss uns allen klar sein, dass jeder Mensch selbst die Hauptverantwortung für seine Gesundheit trägt. Schon regelmäßige Bewegung im Alltag kann einen großen Unterschied machen. Es reicht oft schon, wenn man die Treppe nimmt und nicht den Lift.

Gesundheitspolitik müsste also dort ansetzen, wo Menschen leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen.
KHK • Ja, wenn wir über Gesundheit sprechen, dürfen wir nicht immer nur über Krankenhäuser und Ordinationen sprechen. Ob jemand gesund bleibt, hängt auch davon ab, ob Bewegung im Alltag möglich ist, wie das Arbeitsumfeld aussieht oder ob Menschen soziale Kontakte haben. Deshalb ist Gesundheitspolitik so komplex und so umfassend. Wir können im Gesundheitssystem noch so viel heilen, wenn wir gleichzeitig die Ursachen von Krankheit nicht ausreichend berücksichtigen, werden wir langfristig nicht weiterkommen.

Politik muss sich oft entscheiden zwischen dem, was sofort notwendig ist, und dem, was langfristig sinnvoll ist. Wo braucht es mehr Mut?
KHK • Neben der Stärkung von Prävention und Vorsorge braucht es den Mut, Strukturen weiterzuentwickeln, selbst wenn Veränderungen zunächst unbequem sind. Unser Gesund heitssystem ist über Jahrzehnte gewachsen. Nicht jede Struktur, die irgendwann einmal sinnvoll war, wird das auch in Gegenwart und Zukunft sein. Aber eine Reform darf nie Selbstzweck sein, sondern muss für die Bevölkerung Vorteile bringen. Für mich bedeutet das zum Beispiel, wohnortnahe Versorgung dort zu sichern, wo sie gebraucht wird, gleichzeitig aber auch Spezialisierung dort zu ermöglichen, wo sie medizinisch sinnvoll ist.

Das Thema Pflege ist eine der größten Herausforderungen der Zeit.Was müsste man tun, um den Pflegeberuf für junge Menschen attraktiver zu machen?
KHK • Was den Pflegeberuf angeht, gibt es viele hartnäckige veraltete Vorstellungen, von denen wir uns verabschieden müssen. Ich habe Anfang September einen Tag in einem Pflegeheim mitgearbeitet. Was ich an diesem Tag erlebt habe, hat mein Bild, das ich von der Pflege habe, bestätigt: Dieser Beruf ist hochprofessionell, anspruchsvoll und gleichzeitig menschlich unglaublich bereichernd. Wer in der Pflege arbeitet, übernimmt Verantwortung und kann jeden Tag unmittelbar etwas bewirken. Wir haben in den letzten drei Jahren sehr viel zur Stärkung der Pflege und der Pflegeberufe unternommen. Die Ausbildungseinrichtungen sind gut ausgelastet. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Eine persönliche Frage sei gestattet: Was holt einen Arzt und Landesrat nach einem langen Tag wieder auf den Boden zurück
KHK • Am meisten holt mich meine Familie auf den Boden zurück. Meine Frau und meine beiden Töchter geben mir Unterstützung, Freude und Halt. Daheim hat die Politik Pause. Viel Ausgleich finde ich auch im Sport – das frühe Hyrox-Training um sechs Uhr hilft mir, den Kopf freizubekommen. Und natürlich motivieren mich die kleinen Fortschritte im Alltag: wenn wir Wartezeiten beim Grauen Star verkürzen, neue Spitalskooperationen schaffen oder Gesundheitszentren ausbauen. Diese Schritte zeigen mir, dass sich die Arbeit für die Menschen lohnt.

Foto: Robert Illemann

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