Jede Unternehmensführung hat ihre eigene Geschichte. Die der Merkur Gruppe erzählt von lebendigem Austausch, klarer Kommunikation und dem Aufbau von Vertrauen. Aus neuen Ideen und Verantwortung entsteht ein Fundament, das Menschen ein Leben lang begleitet.

Der Vorstand der Merkur Versicherung Markus Spellmeyer, Andreas Gaugg, Christian Kladiva und Markus Zahrnhofer (v. l.) begleitet einen Prozess, der das Unternehmen langfristig stärkt: „Wenn alle mitbauen, bleibt das Fundament stabil.“
GRAZETTA • Vor rund vier Jahren begann die strategische Planung für die Verschmelzung der Merkur Lebensversicherung AG mit der Merkur Versicherung AG. Die Fusion ist nun abgeschlossen. Was waren rückblickend die entscheidenden Faktoren für den Erfolg?
CHRISTIAN KLADIVA • Die Fusion ist für uns ein konsequenter strategischer Schritt. Denn mit der Integration der Merkur Lebensversicherung AG in die Merkur Versicherung AG positionieren wir uns als umfassende Personenversicherung. Wir haben uns bewusst Zeit genommen, dieses Projekt mit allen Notwendigkeiten, Abwägungen und Voraussetzungen sorgfältig anzugehen und eine solide Grundlage für ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen. In den vergangenen Jahren haben wir zunächst die technischen Rahmenbedingungen geschaffen, die wesentlichen IT-Systeme der Merkur Lebensversicherung AG und der Merkur Versicherung AG wurden und werden, auch über den Verschmelzungszeitpunkt hinaus, sukzessive harmonisiert. Unser Ziel war nie eine möglichst schnelle Verschmelzung, sondern eine nachhaltige Lösung, die auch langfristig funktioniert. Systemisch, aber vor allem auch menschlich. Dazu benötigt es Zeit und Menschen, die sich aneinander gewöhnen, miteinander arbeiten und diese anspruchsvolle Phase gemeinsam meistern.
MARKUS ZAHRNHOFER • Rückblickend war entscheidend, dass wir die Verschmelzung von Beginn an als gemeinsamen Entwicklungsprozess verstanden haben und nicht nur als rechtlichen oder organisatorischen Schritt, der möglichst schnell abzuwickeln ist. Künftig treten wir als gemeinsames Unternehmen auf. Prozesse werden dadurch vereinheitlicht, die Zusammenarbeit wird einfacher und wir können Entscheidungen und Abläufe stärker aus einer gemeinsamen Perspektive heraus betrachten. Gerade bei einer Zusammenführung über einen längeren Zeitraum braucht es Klarheit über das gemeinsame Ziel, aber auch die Bereitschaft, unterschiedliche Erfahrungen und Arbeitsweisen zusammenzubringen. Wir haben ein gemeinsames Verständnis dafür entwickelt, wie wir künftig als ein Unternehmen arbeiten wollen. Die rechtliche Verschmelzung ist abgeschlossen, die eigentliche gemeinsame Entwicklung geht jetzt weiter.
Welche strategischen Möglichkeiten eröffnet die Verschmelzung und was bedeutet sie für die weitere Entwicklung des Unternehmens?
ANDREAS GAUGG • Die Verschmelzung schafft die organisatorische und strukturelle Grundlage dafür, dass wir unsere strategischen Ziele langfristig als ein Unternehmen verfolgen können, als Personenversicherung. Unser Strategieprogramm gibt uns die Richtung vor, in die wir uns entwickeln wollen. Dabei beeinflussen sich beide Aspekte gegenseitig. Die Verschmelzung hat uns auch gezeigt, wo wir stehen, wo unsere Stärken liegen und wo wir noch voneinander lernen können. Gleichzeitig gibt uns die Strategie einen klaren Blick darauf, welche Strukturen, Kompetenzen und Formen der Zusammenarbeit wir in Zukunft noch brauchen. Die Verschmelzung ist kein abgeschlossenes Projekt. Vielmehr ist sie Teil einer gemeinsamen Entwicklung, die uns langfristig weiterbringt. Wir haben in den vergangenen Jahren die Voraussetzungen geschaffen, um aus zwei Unternehmen eines zu machen, jetzt geht es darum, mit einer klaren strategischen Ausrichtung neue Impulse zu setzen. Und eines unserer größten Assets ist und bleibt unsere Eigenständigkeit.
„Unser größtes Kapital ist unsere Eigenständigkeit.“
ANDREAS GAUGG

Die Verschmelzung ist stark getrieben von systemischen, technischen Fragen und IT-Themen. Wie wichtig war und ist der Faktor Mensch?
MARKUS SPELLMEYER • Eines möchte ich vorausschicken: Die Verschmelzung war kein Selbstzweck. Sondern, wie bereits erwähnt, eine strategische Entscheidung, um Kräfte zu bündeln, Strukturen zu vereinfachen und unsere Position als Personenversicherung weiter auszubauen. Wenn ich auf die letzten Jahre blicke, ist klar, sie waren unternehmerisch etwas ganz Besonderes. Ein Projekt mit dieser Tiefe und Breite, das so viel fordert, aber im Gesamtkontext so viel zurückgibt, macht einen schon sehr stolz. In erster Linie spüre ich aber Stolz in Bezug auf das gesamte Team und all die Menschen, die hinter dem Zusammenwachsen zweier Unternehmen stehen, daran gearbeitet haben und neben ihrem Tagesgeschäft so viel investiert haben. Entscheidend dafür ist Vertrauen. Und Vertrauen entsteht nicht über Nacht. Es wächst mit jeder Begegnung, jedem Gespräch und auch mit jeder konstruktiven Auseinandersetzung. Ein solches Vertrauen war das Fundament, nur so können wir eine Merkur-Geschichte fortschreiben, die sich immer durch eines ausgezeichnet hat: Gemeinschaft, Menschlichkeit, Zusammenhalt.
Welche Rolle spielt KI bei der Umsetzung strategischer Unternehmensziele, und wo sehen Sie dabei die größten Chancen und Herausforderungen?
ANDREAS GAUGG • Natürlich ist KI ein Thema, das nicht nur uns, sondern alle beschäftigt. Ich bezeichne KI aber bewusst als Technologie, weil ich nicht glaube, dass KI ein Heilmittel sein kann, das selbstständig unternehmerische Probleme lösen wird. Wir können als Versicherungsunternehmen immer nur Technologien einsetzen, die nachhaltig sind und die einen gewissen Sicherheitscharakter mit sich bringen. Wir haben bereits sehr viel IT-Know-how, besonders in der Krankenversicherung, wo wir Technologien einsetzen, die es uns ermöglichen, den Service für unsere Kunden zu verbessern. Technologie soll unterstützen, aber nicht die persönliche Beziehung ersetzen. Am Ende des Tages arbeiten wir mit Menschen, lernen von Menschen und sind für Menschen da, wir werden das Menschliche immer in den Mittelpunkt stellen.
Die Merkur Gruppe steigerte im Geschäftsjahr 2025 ihr Prämienvolumen um 8,5 Prozent und konnte sich als einer der führenden Personenversicherer mit Zuwächsen in allen Sparten positionieren. Welche Entwicklungen beobachten Sie insbesondere bei der Lebensversicherung, und welche Rolle spielt die private Vorsorge angesichts der zunehmenden Herausforderungen für das staatliche Pensionssystem?
MARKUS ZAHRNHOFER • Im Bereich der Lebensversicherung übernehmen wir eine zentrale Rolle bei der Schließung der Vorsorgelücke und stellen dafür wesentliche Bausteine bereit. Besonders die fondsgebundene Lebensversicherung bietet hier interessante Möglichkeiten. Gleichzeitig ist absehbar, dass die staatliche Säule künftig nicht stabiler wird, was es umso wichtiger macht, die private Vorsorge stärker ins Bewusstsein zu rücken. Wer eigenverantwortlich und langfristig für die Pension vorsorgen möchte und sich nicht ausschließlich auf die staatliche Versorgung verlassen will, kommt an der Lebensversicherung nicht vorbei. Konkret hat die fondsgebundene Lebensversicherung an Bedeutung gewonnen, da sie die Ertragschancen der Kapitalmärkte besser nutzbar macht. Gleichzeitig behalten auch Produkte mit Garantien ihre Berechtigung – vor allem für sicherheitsorientierte Kundensegmente. Entscheidend ist die individuelle Ausgestaltung. Gerade die Flexibilität moderner fondsgebundener Lösungen macht sie trotz langfristiger Ausrichtung besonders attraktiv und erklärt, warum sie aktuell häufig bevorzugt werden.

„Wir dürfen nicht nur über Prävention sprechen, wir müssen sie für die Menschen auch erlebbar machen.“
CHRISTIAN KLADIVA
Die Gesundheitsvorsorge war in Österreich über Jahrzehnte eine Selbstverständlichkeit. Und doch verstärkt sich der Eindruck, dass etwas nicht stimmt mit unserem Gesundheitssystem. Im niedergelassenen Bereich fehlen Ärzte, die Wartezeiten für Behandlungen werden länger, die Finanzierung scheint ineffizient und es fehlt an Personal. Was bedeutet das für die Merkur Versicherung?
CHRISTIAN KLADIVA • Viele Menschen nehmen wahr, dass es schwieriger wird, rasch einen Arzttermin zu bekommen. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach schneller medizinischer Versorgung und Planbarkeit. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Wahlärzten. Während deren Zahl kontinuierlich zunimmt, entwickelt sich die Zahl der Kassenärzte vielerorts nicht im gleichen Ausmaß. Das Sozialversicherungssystem gehört dringend strukturell und inhaltlich reformiert und auf die aktuellen Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet. Politik, Sozialversicherung und Experten aus der Wirtschaft müssen sich dringend an einen Tisch setzen. Kosmetische Reformen und das Einzementieren von alten Pfründen halte ich für nicht zielführend. Und ja, für viele Menschen wird die private Krankenversicherung dadurch zunehmend zu einer Möglichkeit, schneller medizinische Leistungen in Anspruch nehmen zu können.
Welche Rolle spielt dabei die Prävention?
CHRISTIAN KLADIVA • Die Merkur Versicherung beschäftigt sich seit mehr als 35 Jahren mit diesem Thema. Mit unseren Vorsorgeprogrammen haben wir schon früh begonnen, Gesundheit nicht nur im Krankheitsfall zu begleiten, sondern präventive Angebote zu schaffen. Unser Ziel ist es, Kunden möglichst früh zu unterstützen und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um ihre Gesundheit langfristig zu erhalten. Das beginnt bei Vorsorgeuntersuchungen und reicht bis zu unterschiedlichen Gesundheitsservices. Dafür haben wir mit der Merkur Lifestyle eine eigene Gesellschaft aufgebaut, die zusammen mit und Ärzten, Physiotherapeuten sowie Gesundheitsexperten jährlich rund 40.000 Kunden präventiv betreut.
Im Prinzip müssten doch Unternehmen im Zuge der Gesundheitsförderung von sich aus aktiv werden und auch ihren Mitarbeitenden Vorsorge näherbringen?
MARKUS SPELLMEYER • Tun sie auch, und das Thema gewinnt seit geraumer Zeit immer mehr an Bedeutung, indem Unternehmen verstärkt nach Möglichkeiten suchen, die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu fördern und damit gleichzeitig die Bindung an das Unternehmen zu stärken. Als Gesundheitspartner ist es uns wichtig, Gesundheit nicht nur nach außen zu vermitteln, sondern auch im eigenen Unternehmen zu leben. Dabei geht es um weit mehr als einzelne Gesundheitsaktionen: Wir wollen ein Arbeitsumfeld schaffen, das Bewegung, Prävention, psychische Gesundheit und eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben unterstützt. Nicht umsonst arbeiten wir auch mit den ehemaligen Skistars Reinfried Herbst und Manfred Pranger zusammen, wenn es darum geht, Gesundheits- und Bewegungsprogramme zu unterstützen.

„Es sind nicht Strukturen oder Organigramme, die ein Unternehmen tragen, sondern die Menschen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen.“
MARKUS SPELLMEYER
Im aktuellen Geschäftsbericht des Konzerns wird neben der starken Nachfrage nach fondsgebundenen Lebensversicherungen auch die Berufsunfähigkeitsversicherung als dynamische Stütze genannt. Wurde dieses Thema bislang unterschätzt?
MARKUS ZAHRNHOFER • Mehr als ein Viertel der Österreicher war zumindest auf Zeit schon einmal berufsunfähig. Auch wenn die Ursachen unterschiedlich sind, steht man am Ende vor einer Situation, die sich massiv auf die eigene Existenz und das persönliche Umfeld auswirken kann. Trotzdem sind nur zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung dagegen versichert. Das liegt am fehlenden Bewusstsein für mögliche Schadensfälle und die damit verbundenen Einkommensverluste. Wird man berufsunfähig, bedeutet das nicht nur eine Minderung des Einkommens, sondern auch geringere Pensionsbeiträge. Es gibt leider den Glauben oder eher die Hoffnung, dass der Staat im Falle der Fälle ausreichend aushilft. Aber Eigenverantwortung und Prävention können auch hier nicht früh genug beginnen.
„Wir haben ein gemeinsames Verständnis dafür entwickelt, wie wir künftig als ein Unternehmen arbeiten wollen.“
MARKUS ZAHRNHOFER

Als älteste Versicherung Österreichs setzt die Merkur Versicherung seit 1798 auf verantwortungsbewusstes wirtschaftliches Handeln. Wie wichtig sind langfristige Planung und Sicherheit gerade für Versicherungsunternehmen? Wie schafft man Stabilität?
ANDREAS GAUGG • Unser größtes Kapital und unser oberstes Ziel ist unsere Eigenständigkeit, um unabhängig von Aktionären sowie Dividenden zu sein und aus eigener Kraft wachsen zu können. Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft: Versicherung, Absicherung und Vorsorge – als Personenversicherung an zwei Standorten, mit einer gemeinsamen Vision.
MARKUS SPELLMEYER • Stabilität entsteht durch solide wirtschaftliche Grundlagen, klare strategische Ziele und die Bereitschaft, rechtzeitig auf Veränderungen zu reagieren. Dazu gehört auch, nicht jedem kurzfristigen Trend hinterherzulaufen, sondern zu wissen, wofür man als Unternehmen steht. Diese Kombination aus Verlässlichkeit und Veränderungsbereitschaft ist gerade für ein Versicherungsunternehmen entscheidend.
MARKUS ZAHRNHOFER • Gleichzeitig wagen wir den Blick nach vorne, wir modernisieren, wir schaffen von innen diese strategische Stabilität, die es braucht, um morgen und auch übermorgen einen Schritt voraus zu sein. Diese Art des Miteinanders ist ein Basisinstrument, um als Organisation nicht nur zu reagieren, sondern agieren zu können.
Apropos miteinander: Das Persönliche präsentiert die Merkur Gruppe mit 1.796 Mitarbeitenden in fünf Ländern. Wie wichtig ist die Kraft von innen? Wie fördert man als Konzern diesen Zusammenhalt?
MARKUS SPELLMEYER • Die Kraft von innen ist für uns ganz entscheidend. Am Ende sind es nicht Strukturen oder Organigramme, die ein Unternehmen tragen, sondern die Menschen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen und miteinander arbeiten. Gerade wenn man in mehreren Ländern tätig ist, ist es wichtig, dass man trotz unterschiedlicher Märkte und Kulturen ein gemeinsames Verständnis davon hat, wofür das Unternehmen steht. Das entsteht aber nicht auf Knopfdruck, es braucht Austausch, Vertrauen und vor allem das Gefühl, dass die eigene Arbeit etwas bewirkt.
CHRISTIAN KLADIVA • Als Konzern können wir dafür den Rahmen schaffen, aber Zusammenhalt kann man nicht verordnen. Wir versuchen deshalb, Begegnungen und Austausch über Bereiche hinweg zu fördern und gleichzeitig Raum für Eigenverantwortung zu lassen. Und ich glaube, es beginnt bei uns Führungskräften: Wir müssen zuhören, ansprechbar sein und Entscheidungen nachvollziehbar machen. Wenn die Mitarbeiter merken, dass ihre Perspektive zählt und dass man gemeinsam an einem Ziel arbeitet, entsteht Zusammenhalt ganz selbstverständlich.
ANDREAS GAUGG • Dazu gehört für mich auch, dass wir Erfolge gemeinsam teilen und Herausforderungen gemeinsam tragen. Gerade in einem größeren Unternehmen besteht sonst schnell die Gefahr, dass einzelne Bereiche nur ihre eigene Perspektive sehen. Es ist wichtig, als Team den Blick immer wieder auf das Ganze zu richten: Was bedeutet eine Entscheidung für die Kollegen, für unsere Kunden, für unsere Vertriebspartner, für das Unternehmen insgesamt? Wenn dieses gemeinsame Verständnis da ist, wird aus zwei Standorten auch bereichsübergreifend eine Einheit.
Foto: Merkur Versicherung/Marija Kanizaj






