Grazetta

Medizin-Studienplätze VERDOPPELN

Die Steiermark benötigt dringend mehr Ärzte und mehr Pflegepersonal. Dieser Mangel ist übrigens  ein europaweites Phänomen. Nicht alle Ursachen für diesen Engpass kann man in der Steiermark allein bekämpfen. Aber einige doch.  Gesundheitslandesrätin Juliane  Bogner-Strauß (ÖVP) setzt genau dort an. Mit einem Maßnahmenpaket im Umfang von 21 Millionen Euro.

GRAZETTA Mitunter scheint es, als sei der Ärztemangel aus heiterem Himmel gekommen. Dabei hat er sich schon mit einem Donnergrollen angekündigt. Welche Ursachen haben Sie eruiert?
JULIANE BOGNER – STRAUSS • Vorweg: Wir haben heute deutlich mehr Ärzte als noch vor 20 oder 30 Jahren – und trotzdem zu wenig. In den Spitälern dürfen die Ärzte nur mehr 48 Stunden (früher: 60) arbeiten – mit der Option, auf 55 Stunden aufzustocken. Dieses Angebot nimmt im LKH-Universitätsklinikum nur jeder zehnte Arzt wahr. Dazu kommen neue Lebenskonzepte der Ärzte. Fast ein Drittel arbeitet in Teilzeit, in der Pflege sind es gar schon 40 Prozent. In der Pflege haben wir inzwischen die Ausbildungsplätze erhöht. Bei den Studienplätzen für angehende Mediziner müssen wir aufstocken und nach und nach die Anzahl der Studienplätze verdoppeln.

Das Land Steiermark nimmt 21 Millionen Euro in die Hand, um junge medizinische Fachkräfte im Land zu halten. Eine Maßnahme ist das Stipendienprogramm für angehende Ärzte. Was erwarten Sie sich davon?
JBS • Die Idee dahinter ist einfach: Die angehenden Ärzte erhalten ein Stipendium, verpflichten sich aber, für bis zu sechs Jahre im steirischen Gesundheitswesen zu arbeiten. Es gibt unterschiedliche Stipendienmodelle, insgesamt sollen aber bis zu 300 Jungärzte an die Steiermark gebunden werden. Die Hoffnung ist, dass diese Ärzte dann auch nach Ablauf der sechs Jahre in unserem Bundesland bleiben. Derzeit geht ein Drittel der Absolventen des Medizinstudiums ins Ausland.





„Fast ein Drittel
der KAGes-Ärzte
arbeitet in
Teilzeit, in der
Pflege sind es gar
schon 40 Prozent“

LR Juliane Bogner-Strauß:
„Gezielte Gesundheitsförderung
bringt uns mehr gesunde Lebensjahre.“

Besonderen Mangel gibt es in psychiatrischen Sonderfächern und bei den Landärzten. Wie können Sie da steuernd eingreifen?
JBS • Der Bedarf an psychiatrischer Versorgung steigt. Deshalb werden in der KAGes zehn zusätzliche Ausbildungsstellen geschaffen. Der Dienstpostenplan am LKH-Universitätsklinikum in Graz wird um zehn Vollzeitstellen aufgestockt, sodass die Jungärzte zumindest über einen bestimmten Zeitraum der KAGes zur Verfügung stehen. Dem Mangel an Landärzten treten wir entgegen, indem wir die Tätigkeit der Allgemeinmediziner in der Lehrpraxis sukzessive um sechs Monate auf zwölf verlängern. Oft können sie bereits selbstständig – mit Unterstützung des ansässigen Arztes – arbeiten. So können diese Jungärzte herausfinden, ob die Tätigkeit als Landarzt für sie in Frage kommt oder nicht.

Etwas schleppend geht der Ausbau der Primärversorgungszentren vor sich. Derzeit haben wir in der Steiermark elf. Warum diese Stagnation?
JBS • Wir sind trotzdem noch Vorreiter in Österreich. Wir merken, dass es schwierig ist, jeweils drei Allgemeinmediziner für ein Primärversorgungszentrum zu finden, wenn ein Allgemeinmediziner in Pension geht. Aber wir sind in guten Gesprächen mit der Ärztekammer und der Sozialversicherung. Unser Ziel ist es, jährlich fünf neue Primärversorgungszentren zu eröffnen. Der große Vorteil dieser Zentren ist es nämlich, dass es dort auch pflegerisches und therapeutisches Personal gibt.

Ein wichtiges Gesundheitsziel in der Steiermark ist es, die Anzahl der gesunden Lebensjahre, die ein Mensch erlebt, zu erhöhen. Wie stehen wir da im internationalen Vergleich?
JBS • Die Steirer werden glücklicherweise sehr alt. Allerdings haben sie im Durchschnitt nur 57 gesunde Lebensjahre. Das ist zu wenig. Im EU-Durchschnitt sind es 64 Lebensjahre, in einigen skandinavischen Ländern bis zu 70. Deshalb müssen wir in der Prävention ansetzen – an den bekannten Stellschrauben: Bewegung im Alltag und Ernährung.  

Foto: Marija Kanizaj

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