erythromycin buy online
Grazetta

Umkämpfte Gäste

Der Gast von heute ist anspruchsvoll, bleibt nur wenige Tage, aber nimmt sich dafür öfter im Jahr eine Auszeit. Was dies für die steirische Beherbergungs- und Wellnessbetriebe bedeutet, das hat das Magazin GRAZETTA bei Touristik-Experten erfragt.

Die Zeiten, in denen man den Gast mit einem gemütlichen Zimmer und gutem Essen begeistern konnte, sind vorbei. Das bestätigen alle, die sich mit den Mega-Trends im Tourismus berufshalber beschäft igen. „Der Gast erwartet heute, dass die Mitarbeiter im Hotel, in der Th erme oder im Tagungshotel so etwas sind wie die Botschaft er ihrer Region“, sagt Alfred Tieber, Direktor der Tourismusschule Bad Gleichenberg. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Mitarbeiter wissen müssen, was der Gast in der Region unternehmen kann, welche Radtouren am schönsten sind und welcher Weinbauer gerade zu einer Weinverkostung einlädt. „Der Gast wünscht sich heute persönliche Betreuung, will beraten werden und will das Gefühl haben, willkommen zu sein.“ Damit verändert sich aber auch das Anforderungsprofil an die Betriebe und deren Mitarbeiter. „Ein wertschätzender Umgang mit dem Gast, gute kommunikative Fähigkeiten auch in englischer Sprache, das sind die Soft Skills, die die Erfolgsfaktoren der Zukunft  sein werden“, betont Tieber. Ein Anforderungsprofil, das sich auch in der Ausbildung in der Tourismusschule niederschlägt. „Wir bilden auch Wander- und Bike-Guides aus, die den Gast auf Touren begleiten können.“

„Wenn man als Hotelier erfolgreich sein will, muss man sich etwas überlegen.“

DIETER HARDT-STREMAYR
Geschäftsführer von Graz Tourismus

„Der Gast will nachhaltig etwas von seinem Urlaub haben.“

ANDREA SAJBEN
Geschäftsführerin M.A.S. Marketing

Dass der Gast Zuwendung und Betreuung von den Mitarbeitern erwartet, das bestätigt auch Christian Werner, Herausgeber des Relax Guide, dem Gault Millau der Wellness-Betriebe. „Der Gast fährt in die Südsteiermark und will dort Land und Leute kennenlernen. Er will mit dem Kellner plaudern und mehr über die Region erfahren.“ Deshalb müsse man alles unternehmen, um den hohen Ausländeranteil im Tourismus – die Hälfte der 25.000 Beschäftigten in der Steiermark sind Ausländer – zu reduzieren. Nicht, weil man etwas gegen Slowenen oder Ungarn hätte, sondern weil sie mit der Region nicht so verbunden sein können wie die Einheimischen.

Wenn Gäste immer anspruchsvoller werden, erwarten, bespaßt zu werden, was bedeutet das für die Berufe im Tourismus? Tieber ist davon überzeugt, dass die neuen Skills den Beruf attraktiver machen. Dass Fachkräfte, die während der Pandemie die Branche verlassen haben, wieder in ihre ursprünglichen Berufe zurückkehren würden. Denn die Branche kämpft mit einem Personalproblem und das aus mehreren Gründen. „Wir haben es mit einer massiven Pensionierungswelle zu tun“, erklärt Gernot Deutsch, steirischer Landesvorsitzender der Österreichischen Hotelvereinigung. „Die Babyboomer waren die Felsen in der Brandung in unseren Häusern, die haben 60 Stunden und mehr pro Woche gearbeitet. Die neue Generation arbeitet 30 Stunden. Man kann es sich also ausrechnen, was das bedeutet.“ Ein anderer Grund hat mit dem teils noch immer schlechten Image der Branche zu tun: „Lange Arbeitszeiten, harte Arbeit, schlechter Lohn, das Image hält sich hartnäckig, hat aber mit der Realität nichts zu tun“, betont Direktor Tieber. „Viele Betriebe bieten ihren Mitarbeitern heute nicht nur gute Gehälter, sondern auch eine Reihe von attraktiven Zusatzleistungen wie zum Beispiel eine hauseigene Kinderbetreuung.“

„Der Gast bleibt heute zwei, drei Tage, dafür kommt er nicht zweimal im Jahr, sondern fünfmal.“

GERNOT DEUTSCH
Hotelvereinigung

„Der Gast wünscht sich heute persönliche Betreuung.“

ALFRED TIEBER
Direktor Tourismusschule Bad Gleichenberg

Hotel- und Wellness-Betriebe müssen aber auch mit dem Trend zu Kurzaufenthalten der Gäste umgehen. „Der Gast bleibt heute zwei, drei Tage, dafür kommt er nicht zweimal im Jahr, sondern fünfmal“, sagt Gernot Deutsch von der Hotelvereinigung. „In der reinen Ferienhotellerie hat man einen Nächtigungsdurchschnitt von zwei bis zweieinhalb Nächtigungen pro Aufenthalt.“ Der Gast, der eine Woche lang bleibt, sei heute die Ausnahme. „Diese Kurzaufenthalte sorgen zwar für eine höhere Wertschöpfung, weil der Gast in diesen zwei Tagen besonders viel unternimmt, gleichzeitig bedeutet dieser Trend für die Häuser aber einen beachtlichen Mehraufwand zum Beispiel beim House-Keeping und in der Wäscherei.“

„Graz hat in den letzten Jahren rund 3.000 Betten dazubekommen. Das hat zu einem Überangebot geführt.“

JOSEF RÖCK
Flugzeug-Hotel Novapark

„Das Bedürfnis nach Wellness ist nach wie vor ungebrochen.“

CHRISTIAN WERNER
Relax Guide

Hinzu kommt eine ziemlich harte Konkurrenz. Zumindest in Graz, wo im letzten Jahr die Anzahl der Betten um 15 Prozent zugenommen hat. „Graz hat in den letzten Jahren rund 3.000 Betten dazubekommen. Das hat zu einem Überangebot und damit zu einem Verdrängungswettbewerb auf Preisbasis geführt“, sagt Josef Röck, Managing Director des Flugzeug-Hotels Novapark. Als Chef eines familiengeführten Hauses spürt er den Preisdruck, den die Konkurrenz großer Ketten ausüben können.

Dass es in Graz tatsächlich ein Überangebot an Betten gibt — Dieter Hardt-Stremayr vom Graz Tourismus spricht von 10.000 Betten — bedeute für die Unternehmen einen enormen wirtschaftlichen Druck. Obwohl die Zahl der Nächtigungen in Graz auf 165.000 im Juli 2025 gegenüber 152.500 im Juli des Vorjahres gestiegen ist. „Wenn man erfolgreich sein will, muss man sich etwas überlegen“, rät Hardt-Stremayr. „So wie das zum Beispiel Florian Weitzer getan hat, der aus dem unmöglichen 1950er Jahre Bau Hotel Daniel ein sehr erfolgreiches Budget Design Hotel gemacht hat.“

Rogner Bad Blumau ist ein Weltunikat. Architektur, Mensch und Natur im Einklang. Auch bei Seminaren und Firmenfeiern werden Nachhaltigkeit und Einzigartigkeit immer wichtiger und genau das bieten wir. “

ROBERT ROGNER
Rogner Bad Blumau

Was Hoteliers in Graz aber auch hilft , ist der Seminarund Tagestourismus, der zwischen zehn und zwölf Prozent der Nächtigungen ausmacht. „Wir können mithilfe unserer Universitäten viele Großkongresse nach Graz holen“, sagt Hardt-Stremayr. „Viele Wissenschaft ler sind Mitglieder in einem Verband, der einmal im Jahr einen Kongress irgendwo auf der Welt veranstaltet.“ Graz habe zudem den Vorteil, eine kleine, sehr kompakte Stadt zu sein, in der man zu Fuß zum Tagungsort gehen und am Abend schöne Spaziergänge im Grünen machen kann. Historische Räumlichkeiten wie der Grazer Congress, der Stefaniensaal oder die Alte Universität seien ein zusätzliches Asset. „Dubai kann so etwas nicht bieten“, erklärt Hardt-Stremayr vom Graz Tourismus. Er freut sich, dass im kommenden Jahr der Internationale Esperanto Kongress in Graz über die Bühne gehen wird. Seminar- und Tagungsteilnehmer sind für die Branche auch deshalb so interessant, weil manche ein paar Tage länger bleiben oder zu einem späteren Zeitpunkt mit der Familie wiederkämen.

“Wir bieten schon seit Jahren ein umfangreiches Yoga- und Aktivprogramm mit bis zu zehn unterschiedlichen Einheiten täglich.”

GERHARD UND
KATRIN HÖFLEHNER
Natur- und Wellnesshotel Höflehner

Mega-Trend Longevity
Weil das Leben anstrengender und stressiger geworden ist, wollen sich Menschen in der Freizeit etwas Gutes tun. „Das Bedürfnis nach Wellness ist nach wie vor ungebrochen“, sagt Christian Werner, seit 1999 Herausgeber des Relax Guide. „Aber zum ersten Mal gab es 2024 viele Schließungen in Österreich.“ Das sei den hohen Energie- und Personalkosten geschuldet, die gerade in der Wellness-Branche besonders schwer wiegen. Was ihm auffällt, ist die besondere Beliebtheit von Yoga und anderen Entspannungsangeboten. „In der Steiermark gibt es mit dem Steirerhof und Pierer in dieser Hinsicht ein besonders gutes Angebot.“

“Die wohltuende Wirkung der Alm auf ihre Besucher steht über allen Trends. Die Luft, die Aussicht, die Natur – die Region trägt maßgeblich zur Erholung unserer Gäste bei.”

ALFRED PIERER
Almwellness Hotel Pierer

Andrea Sajben, Geschäftsführerin von M.A.S. Marketing Consulting spricht von einem Longevity-Trend, also vom Bedürfnis der Gäste, sich und ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun. Das Erlebnis des Gastes spielt eine immer wichtigere Rolle. „Der Gast will nachhaltig etwas von seinem Urlaub haben“, sagt Sajben. Ob er nun ein wenig schlanker werden will, seinen Körper entgiften oder seine Leistungsfähigkeit verbessern will, ein längeres Leben in Gesundheit ist dem Gast wichtig. „Man spricht in diesem Zusammenhang inzwischen von transformativen Reisen, also von einer Reise, die nachwirkt.“  

Fotos: Rogner Bad Blumau, Harald Eisenberger, Harald Steiner, Heiltherme Resort Bad Waltersdorf, Tourismusschule Bad Gleichenberg, Graz Tourismus Werner Krug, Conny Leitgeb

Werbung

Werbung

ivermectine bestellen

Folgt uns

Tretet mit uns in Kontakt, folgt uns auf unseren Social Media Kanälen. Wir freuen uns!