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Tierische Zuwanderer

Marderhunde aus Asien, ein Krebs aus Nordamerika und Fische aus dem Schwarzen Meer: Menschen schleppen gewollt oder ungewollt Tiere aus fernen Ländern ein. Diese Neozoen können einheimischen Arten bedrohen und das ökologische Gleichgewicht stören.

Sie tragen ungewöhnliche Namen: Schwarzmund-Grundel zum Beispiel. Das ist ein Fisch, der aus den Brackwasser-Gebieten am Schwarzen Meer zu uns gekommen ist. Vermutlich als blinder Passagier in den Ballasttanks großer Frachtschiffe. Schön ist er nicht der Schwarzmund-Kollege mit seinen Glubsch-Augen. Attraktiver ist da schon der Waschbär, der es sich in der Steiermark inzwischen recht gemütlich macht. Waschbären dürften aus Pelzzuchten entkommen oder von Tierschützern freigelassen worden sind. Das Problem mit den Zuwanderern: Sie beeinflussen die heimische Biodiversität, setzen heimische Arten unter Druck und haben in vielen Fällen keine natürlichen Feinde.

Anpassungsfähig und schlau: Der Waschbär
gilt in der Steiermark als etablierte Tierart.

Die Fachwelt bezeichnet die Tiere, die mit Hilfe des Menschen eingewandert sind, als Neozoen. Tiere, die ohne menschliche Hilfe zuwandern, wie zum Beispiel der Goldschakal, fallen nicht unter diese Kategorie.

„Es ist problematisch, Tiere in ein Ökosystem einzuführen, in dem sie nicht heimische sind“, erklärt der auch für die steirischen Jäger tätige Wildbiologe Hubert Zeiler und verweist auf Beispiele in Australien und Neuseeland. „Die Engländer haben Kaninchen für die Jagd eingeführt. Die haben sich dort prächtig vermehrt, auch weil sie kaum Fressfeinde hatten.“ Also habe man Füchse und Wiesel ausgesetzt, in der Hoffnung, die Räuber würden den Kaninchen-Bestand klein halten. „Das Problem ist, dass das Wiesel jetzt die einheimischen Vogelarten Neuseelands bedroht.“

Damit es in Europa nicht zu ungewollten Verdrängung heimischer Arten oder zu schwerwiegenden Problemen in der Land- und Forstwirtschaft kommt, gibt es in der Europäischen Union seit zehn Jahren eine Liste invasiver Arten, die von den Mitgliedsstaaten bekämpft werden müssen. 66 invasive Pflanzen- und Tierarten stehen derzeit auf dieser Liste. 27 davon kommen in Österreich vor, 19 davon auch in der Steiermark. 12 sind invasive Tierarten, vom Waschbären bis zum Amerikanischen Signalkrebs. „Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, Tiere auf der sogenannten Unionsliste zu bekämpfen, weil sie nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Schäden verursachen“, erklärt Klaus Hackländer, Leiter des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien. „Den Bestand dieser tierischen Neubürger so gering wie möglich zu halten, das gelingt aber nur dann, wenn man mit der Bekämpfung rechtzeitig beginnt“, sagt Hackländer, der neben seiner Lehrtätigkeit in Wien auch im Vorstand der Deutschen Wildtierstiftung sitzt. „Wir haben in Europa Neozoen, die man nicht mehr ausrotten kann. Da geht es nur noch um Schadensbegrenzung.“ Ein Beispiel dafür ist der Waschbär. So putzig das Tier auch sein mag, wer sie als Eindringlinge im Garten hat, findet sie nicht mehr herzig. Die Waschbären sind ausgesprochene Kulturfolger, leeren Mülleimer aus, richten sich auf Dachböden gemütlich ein und weil sie nachtaktiv sind, halten sie sich nicht an menschliche Ruhezeiten. „Waschbären bilden inzwischen eine selbsterhaltende Population, die meisten sind aus Deutschland nach Österreich gekommen“, konstatiert der Wildbiologe. Neben ihrem ungebührlichen nächtlichen Benehmen sind Waschbären aber auch Träger von Parasiten, die auch für Menschen gefährlich werden können.

„Waschbären bilden inzwischen eine selbsterhaltende
Population.“

KLAUS HACKLÄNDER
Wildbiologe , Boku Wien

In die Kategorie lästige tierische Neubürger fallen auch Bisamratten und Nutrias. Die Tiere untergraben Uferbefestigungen, Hochwasserdämme, selbst Eisenbahndämme sind vor ihren Grabungsarbeiten nicht sicher. Wie groß der Schaden ist, den diese Pelztiere verursachen, dazu gibt es keine Statistiken. Wenig weiß man auch, wie groß der Einfluss des Marderhunds ist. Auch er ist aus Pelzfarmen entwischt. „In Österreich hat man im vergangenen Jahr 53 Tiere erlegt, in Deutschland waren es 30.000“, berichtet Hackländer. „Das Problem ist aber nicht, dass der Marderhund da ist, sondern, dass er zusätzlich da ist“, argumentiert er. „Die Beutetiere stehen ohnedies aufgrund der intensiven Landwirtschaft unter Druck, sie verlieren Lebensräume und haben mit einheimischen Raubtieren zu kämpfen. Und jetzt kommen mit den Marderhunden noch weitere hungrige Mäuler dazu.“

„Es ist problematisch, Tiere in ein Ökosystem einzuführen, in dem
sie nicht heimisch sind.“

HUBERT ZEILER
Wildbiologe

Dass der Marderhund im Norden Deutschlands inzwischen den Fuchs verdrängen kann, hat auch mit den im Vergleich zum Alpenraum günstigeren klimatischen Bedingungen zu tun. „Wir haben in Österreich einen Vorteil. Die Alpenregion mit ihren noch immer relativ strengen Wintern ist für manche Neozoen nicht wirklich attraktiv“, sagt Wildbiologe Zeiler. Viel attraktiver sind da schon die Städte. „Füchse in Wien und Dachse am Grazer Schloßberg, Raubtiere sind inzwischen normale Stadtbewohner geworden“, betont Zeiler.

Einig sind sich alle Experten darin, dass die Pelzviecher zwar zu den sexy Species gehören, eine echte Bedrohung für das Ökosystem stellen sie nicht dar. Zumindest noch nicht. Ganz anders wird die Gefahrenlage in Bezug auf invasive Insekten beurteilt. „Insekten kommen mit dem Verpackungsmaterial. Es reicht schon, wenn eine kleine Larve in einer Holzkiste überlebt“, sagt Zeiler. „Hinzu kommt, dass der Klimawandel das Überleben von Insekten zum Beispiel aus den Tropen erleichtert. Man denke nur an die Tigermücke.“

Dass eingeschleppte Insekten das größere Problem sind, bestätigt auch Christian Rinner, Amtssachverständiger der steirischen Landesregierung. „Tiere im Ei- oder Larvenstadium sind sehr klein und schwer zu entdecken. Außerdem sind sie sehr widerstandsfähig“, sagt er. Dass so viele neue Arten in Europa auftauchen, habe mit den globalen Handelswegen zu tun, aber vor allem auch mit dem Klimawandel, der dafür sorgt, dass diese Tiere unsere Winter überleben. Nicht alle diese Insekten-Zuwanderer stehen auf der EU Liste, auch der in der Landwirtschaft so gefürchtete Maiswurzelbohrer nicht, weil das Insekt keine negativen Auswirkungen auf die Biodiversität hat.

„Wir wollen die Natur, wie wir sie kennen,
mit all ihren Vorzügen und ihrer Vielfalt
bewahren und an die nächsten Generationen weitergeben.“

CHRISTIAN RINNER Amtssachverständiger

Rinner klärt als Sachverständiger, welche Auswirkungen die Neozoen auf den Naturschutz haben. „Und da ist die Antwort eigentlich eine sehr klare: Wir wollen die Natur, wie wir sie kennen, mit all ihren Vorzügen und ihrer Vielfalt, bewahren und an die nächsten Generationen weitergeben“, erklärt er.

Fotos: unsplash, Ove Arscholl/Deutsche Wildtierstiftung, privat

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