Grazetta

Die Halle. Unser Handwerk.

Mit ihrem Team beherrschen sie das Einmaleins der Eventorganisation weit über die Landesgrenzen hinaus. Mit ihrem Handwerk bringen sie Menschen zusammen. Bei Konzerten, Tagungen, Messen und im Sport. Mit der Stadthalle haben sie dabei seit 20 Jahren einen verlässlichen Verbündeten. Das wissen die beiden Vorstände der Messe Congress Graz, Armin Egger und Barbara Muhr zu schätzen.

GRAZETTA • Mit der Stadthalle zählt die MCG auch im Gastveranstaltungssegment zu den großen nationalen Playern. In welcher Form war es während der Pandemie überhaupt möglich, die Ressourcen „kreativ“ zu nutzen?

ARMIN EGGER • Wenn man eine positive Erkenntnis aus dieser Situation ziehen kann, dann jenen, dass wir beweisen konnten, was wir im Stande sind, in eben solchen Extremsituationen zu leisten. Die Verantwortlichen sind schon während der Flüchtlingskrise 2015 auf uns zugekommen und taten es bei der Pandemie wieder. Unser Team reagierte bei der Unterbringung von Flüchtlingen ebenso rasch und unkompliziert wie bei der Umsetzung der Teststraße und lieferte den gesamten Service aus einer Hand. Aufgrund unserer räumlichen Kapazitäten, kombiniert mit einem erfahrenen Team, waren wir auch für Gemeinderatssitzungen die erste Adresse. Flexibilität wie Kreativität waren dabei unsere steten Begleiter.

BARBARA MUHR • Dahingehend wurden wir auch „kreativ gemacht“, brachten dabei aber schon von Haus aus ein solides Fundament mit. Weil etwa unsere Mitarbeiter die Ausbildung zum Contacttracing gemacht haben und wir auch über einen perfekten, weil zentralen Standort verfügen. Das komplette Personalmanagement für das Contact Tracing ist über uns als MCG in Kooperation mit Magistrat und Haus Graz abgelaufen.

AE • Zudem stellten wir allein 40 Mitarbeiter, die zu Präventionsbeauftragten ausgebildet wurden, unseren Kunden als Covid-Beauftragte zur Verfügung, weil sich mit den unzähligen Auflagen ja viele auch gar nicht ausgekannt haben. Kreativ waren wir also nicht nur im Haus, sondern ebenso im Coaching.

Eine neue Halle ist langfristig wichtig, um große Events und Konzerte, aber auch Messen nach Graz zu holen.“

ARMIN EGGER | Vorstand MCG Graz

Der Tourismus in Graz profitiert stark vom Tagungs- und Seminargeschäft. Einen großen Anteil daran trägt auch die MCG und vor allem die Stadthalle. Welchen Beitrag kann man hier in Zukunft leisten?
AE • Aus Erfahrung in der Vergangenheit wissen wir, dass wir eine Wertschöpfung von rund 150 Mio Euro für die regionale Wirtschaft außerhalb unseres Kerngeschäftes und Tun leisten. Natürlich wollen wir auch in Zukunft unseren Beitrag dahingehend leisten. Fakt ist aber auch, dass es Investitionen in die Infrastruktur braucht, um weiterhin mithalten zu können. Da geht es etwa um einen neuen Boden für die Stadthalle. Das klingt vielleicht harmlos, aber bei bis zu 20.000 Quadratmetern reden wir da von etwa zwei Mio Euro.
BM • Investitionen sind nicht nur in der Stadthalle, sondern auch bei unseren Projekten im Sport notwendig, wie z.B. dem neuen Sporttagungszentrum in der Merkur Arena. So lange das Budget der Stadt aber nicht beschlossen ist, heißt es weiter warten.
AE • Um bei unserem Jubilar zu bleiben: Die Halle ist 20 Jahre alt. Das ist für Außenstehende
jetzt vielleicht kein Alter, aber der Bedarf hat sich in diesen zwei Jahrzehnten extrem verändert. Damals hat niemand mit Veranstaltungen mit bis zu 30.000 Besuchern gerechnet. Eine neue Halle ist wie gesagt langfristig wichtig, um große Events und Konzerte, aber auch Messen nach Graz zu holen. Weil die Aussteller auch international unterwegs sind und natürlich vergleichen. Die Halle ist unser Handwerk und wenn wir in den Top-10-Veranstaltungslocations in Europa bleiben wollen, ist eine Neuerung unerlässlich.

Noch vor vier Jahren wurden von der MCG 450 Veranstaltungen umgesetzt, 2019 das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte präsentiert. Kommen die „goldenen Zeiten“ wieder?
AE • Gewisse Dinge werden schneller zurückkommen, andere vermutlich nicht mehr. Soll zum einen heißen, dass man im Geschäft auf digitale Erkenntnisse der letzten Monate weiterhin bauen wird. Andererseits ist ein persönliches Treffen vielmals durch nichts zu ersetzen. Wir arbeiten seit 30 Jahren online, aber ausschlaggebend war letztendlich doch immer das Gespräch nach dem Meeting oder zwischen den Seminaren. Wir sind von der Planungssicherheit abhängig und da liegt eigentlich das größte Problem. Was darf ich in zwei Monaten? Was ist möglich? Wir werden zurückkommen. Die Frage ist nur, wann.
BM • Die künftige strategische Ausrichtung wird die Aussteller wie auch die Besucher und im sportlichen Bereich auch die Vereine betreffen. Durch die wirtschaftliche Entwicklung wird sich auch zeigen, was sich der Besucher in Zukunft noch leisten kann und will. Der Besucher wird über Veranstaltungen entscheiden, gesundheitlich wie monitär.
AE • Es liegt auch daran, wie schnell wir wieder in die Normalität zurückfinden. Nur: Was ist normal? Und dabei wird es auch darum gehen, wie wir mit Covid umgehen. Wissen wir um die langfristigen Voraussetzungen und Gegebenheiten, können wir als Veranstalter damit schon professionell umgehen. Momentan befinden wir uns aber in einem Graubereich.

„Wir bekennen uns seit eh und je in allen Bereichen wie auch den
Sportstätten zu einer ökologischen Unternehmensführung
und leben diese auch.“

BARBARA MUHR | Vorstand MCG Graz

Die MCG ist mit dem Tochterunternehmen der AMB erfolgreich auf dem globalen Markt tätig. Was verspricht man sich von der internationalen Ausrichtung?
BM • Die AMB ist ein absolut wichtiger Teil der MCG und seit Jahrzehnten in der Messe- und Eventbranche tätig. Vor allem die internationalen Märkte stellen eine immer größere Relevanz dar und sorgen im Konzern für Kompensation. Das Netzwerk konnte stets ausgebaut werden, so auch nach vielen erfolgreichen Umsetzungen in Richtung nordamerikanischem Markt. Auch für die Messen in Genf, Barcelona sowie München wird für und mit internationalen Kunden gearbeitet. Umgekehrt setzt die AMB auch in Graz viele Veranstaltungen, wie den Kongress für Orthopädie, 15 seconds oder auch den Notfallmedizin- und Chirurgenkongress als Partner und Generalausstatter um. Einige logistisch herausfordernde Projekte von Neukunden befinden sich derzeit bei der Division Logistics in der Pipeline, zudem werden internationale Roadshows für diverse Kunden umgesetzt.

Nahezu 90 Prozent ihres Umsatzes hat sich die MCG am freien Markt geholt. Zwischen 25 und 30 Prozent der Nächtigungen in Graz sind auf Veranstaltungen des Hauses zurückzuführen und rund 2.000 Arbeitsplätze „hängen“ an der Messe. Machen solche Zahlen stolz?
AE • Solche Zahlen werden von uns nicht breit kommuniziert und für den Endverbraucher sind sie auch nicht wichtig. Aber haben Sie schon einmal probiert, einen Monat vor dem Bauernbundball in Graz eine Tracht zu bekommen? Ich kann Ihnen sagen, es ist schwierig. Für gewöhnlich kann ein Wirtschaftsunternehmen von den 85 Prozent seiner Wertschöpfung selbst profitieren. Die MCG kann diese nicht abschöpfen, weil sie etwa an Nächtigungen und Taxifahrten nicht mitpartizipiert. Aber was wir wollen, ist, mit unserem Tun und Handeln, Arbeitsplätze zu sichern und die Wirtschaftsleistung in das Land und die Stadt zu bringen.

Seit Gründung der Ökoprofit Anfang der 1990er-Jahre ist die MCG deren Mitglied und hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Ist die damalige Pionierarbeit heute Selbstverständlichkeit?
BM • Vor allem die Mitarbeiter schauen heute ganz genau auf die Standards bei den Themen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Wir bekennen uns seit eh und je in allen Bereichen wie auch den Sportstätten zu einer ökologischen Unternehmensführung und leben diese auch. Dabei beziehen wir unsere Vereine, Mitarbeiter und Mieter in unsere Überlegungen ein. Diese sind auch bemüht, aus ihren Heimspielen sogenannte „Green Events“ zu machen. Jüngstes Beispiel hierfür sind der neue Spielfeldrasen in der Merkur Arena, bei dem wir uns bewusst für den aufwendigeren Naturrasen mit der geringsten Umweltbelastung entschieden haben. Die Rasenpflege erfolgt dabei mit organischem Dünger aus 100 Prozent natürlichen Bestandteilen. Oder das große Projekt der Graz 99ers im Eisstadion, die von professioneller Mülltrennung in den Publikumsbereichen über den plastikfreien VIP-Klub bis zum Modell „Eintrittskarte ist Fahrkarte“, bei der das Matchticket gleichzeitig als Fahrschein für die öffentlichen Verkehrsmittel gilt, reicht. Ich denke, dass mittlerweile sieben Ökoprofit-Auszeichnungen für die Sportstätten eine schöne Anerkennung für unser umweltbewusstes Denken und Engagement sind. Dieses Denken geht von innen nach außen und fängt daher schon beim Mitarbeiter an. Für den Kunden und Besucher ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, von der er ausgeht.

„Ausschlaggebend war letztendlich
doch immer das Gespräch nach
dem Meeting oder zwischen den
Seminaren.“

ARMIN EGGER | Vorstand MCG Graz

„Der funktioniert noch, weil er eine starke gesellschaftliche Aufgabe hat und auch als Lebensschule einen Beitrag leistet“, war Ihre Aussage vor zwei Jahren. Wie schätzen Sie den sportlichen Beitrag der MCG rückblickend ein?
BM • Die MCG hat einen sogenannten Management-Auftrag für die Stadion Graz Liebenau GmbH und somit auch für den Sport dieser Stadt. Das heißt auch, dass sie die größten Sportstätten von Graz mitverantwortet. Der sportliche Beitrag und die Herausforderungen sind es, die immer wieder richtige Balance zwischen betriebswirtschaftlichem Auftrag und der Leidenschaft für den Sport, die wir alle haben, zu finden. Nachdem zumindest der Spitzensport auch in Pandemiezeiten stattgefunden hat, durften wir auch irgendwie dazu beitragen, dass das Leben nicht vollständig zum Erliegen kommt. Aber es war ohne Frage eine Durststrecke.

Ist man dem Ziel, Graz als Sportstadt mehr in den Mittelpunkt zu rücken, nähergekommen? Welche Synergien bedarf es dafür?
BM • Synergien braucht es immer. Und in der Vergangenheit wurden mit der Stadt Graz diesbezüglich auch schon Gespräche geführt. Letztendlich werden die strategischen Entscheidungen vom Eigentümer, also der Stadt getroffen. Der Sport ist ein öffentliches und emotionales Thema, das Menschen begeistert und vor allem zusammenbringt. Mit dem abgelaufenen erfolgreichen Sportjahr haben wir neue Erkenntnisse gewonnen und wissen, was es braucht. Insofern hoffen wir, dass auch dieser Erfolg im neuen Budget der Stadt Platz findet und fortgesetzt wird. Entscheidungen hinsichtlich des geplanten Sport-Tagungszentrums sind vom Eigentümer aber noch nicht gefallen. Auch beim städtischen Sportangebot schläft der internationale Wettbewerb nicht und wir nehmen diese Herausforderung an. So haben wir uns für eine Aufnahme ins Global Active Cities-Netzwerk beworben und der Auditierungsprozess läuft gerade. In diesem Verband finden sich lauter Städte, die es geschafft haben, ihrer Bevölkerung die Plattform für einen aktiven und gesundheitsbewussten Lebensstil zu geben. Aus unserer Sicht haben wir alles dazu beigetragen und eingereicht, um dem Wettbewerb mit anderen Städten standhalten zu können.

Bezugnehmend auf das Jubiläum der Stadthalle: Was wünschen Sie der MCG für die nächsten 20 Jahre?
AE • Dass die Lebensfreude wieder einkehrt. Ich denke, dass die Stadthalle stellvertretend für die ganzen Konzerte und vollen Häuser viel dazu beigetragen hat, um emotionale Momente genießen zu können. Denn wo findet man sonst so ein urbanes Veranstaltungsflair mitten in der Stadt? Graz ohne die Stadthalle wäre heute undenkbar. Klar ist auch, dass sich die Halle und die damit verbundenen Events weiterentwickeln müssen, um am Puls der Zeit zu bleiben. Mit dem Ziel, auch in 20 Jahren zu den europäischen Top-10-Veranstaltungslocations zu gehören. Die Halle soll so lange wie möglich Menschen in die Stadt bringen. Und sie mit einem breiten Grinsen entlassen.
BM • Die Stadthalle ist eine Visitenkarte für die Stadt und wir können stolz darauf sein. Für das gesamte Team und unsere Mitarbeiter wünsche ich mir, dass sie wieder in ihr Kerngeschäft zurückkommen können. Ihnen gilt ein großer Dank für all den Erfolg der vergangenen Jahre.

Fotos: Conny Leitgeb

P. Kovacs-Merlini

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