Der Beirat Gewaltprävention wird Maßnahmen erarbeiten, die Schulen sicherer machen sollen. Der zuständige FP-Landesrat Stefan Hermann erklärt, warum der Amoklauf in Graz nur die Spitze des Eisbergs war.

GRAZETTA • Warum ist ein Beirat mit fünf Arbeitsgruppen notwendig?
STEFAN HERMANN • Wir wollen Lehren aus der Tragödie ohne politische Effekthascherei und mit der notwendigen Überlegtheit ziehen. Wirksame Maßnahmen schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Man wird an vielen Schrauben drehen müssen. Unsere Experten sagen uns, dass der Amoklauf, was das Gewaltpotenzial bei Jugendlichen angeht, nur die Spitze des Eisbergs war. Das hat verschiedene Ursachen, auf die Antworten gefunden werden müssen. Deshalb haben wir fünf Expertengremien einberufen, die bereits im Herbst erste Vorschläge präsentieren werden. Der Beirat soll während der gesamten Legislaturperiode arbeiten, um die getroffene Maßnahmen evaluieren zu können.
Welche Themen werden diskutiert?
SH • FP-Klubobmann Marco Triller wird den Cluster Infrastruktur und Sicherheit organisieren. Hier wird es um sinnvolle bauliche Maßnahmen gehen, ohne die Schule zu einem Hochsicherheitstrakt zu machen. Ich denke zum Beispiel an einen Alarmknopf unter dem Tisch des Lehrers. Denn es gibt immer wieder Vorfälle mit gewalttätigen Schülern. Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner wird sich mit Unterstützungseinrichtungen für Schulen beschäftigen, also mit Schulsozialarbeit, Psychologen und Ausbildungsmöglichkeiten für Lehrer. Das bestehende Angebot soll sichtbar werden, damit sich Schüler niederschwellig Hilfe holen können.
Man weiß seit vielen Jahren, dass es viel zu wenige Schulpsychologen gibt.
SH • Ja, das ist ein Problem und zwar in ganz Österreich. Die Bundesregierung will die Zahl der Schulpsychologen spürbar erhöhen. Wichtig ist, dass man eingreifen kann, bevor der Hut brennt.
Sie selbst haben den Cluster Prävention und außerschulische Jugendarbeit übernommen.
SH • Es gibt im Bereich Prävention und Jugendarbeit viele Vereine, die Projekte anbieten. Wir wollen uns einen Überblick verschaffen und den Einsatz der Fördermittel überprüfen. Mir berichten Mitarbeiter der Bildungsdirektion, dass es an Schulen tätige Vereine gibt, die wegen islamistischer Positionen unter Beobachtung des deutschen Verfassungsschutzes stehen. Mein Ziel ist es, ein Qualitäts- und Gütesiegel für diese Anbieter zu entwickeln, damit Lehrer wissen, wen sie sich an die Schule holen und damit wir Fördergelder zielgerichteter einsetzen können.
Als freiheitlicher Politiker werden Sie bei den Förderungen andere Prioritäten als Ihr christdemokraticher Vorgänger setzen.
SH • Das ist klar. Aber nach ideologischen Gesichtspunkten werde ich nicht entscheiden. Ich möchte mir alle Vereine persönlich ansehen. Übrigens auch die RosaLila PantherInnen waren bei mir und wir haben uns auf ein Projekt im Bereich Mobbing einigen können.
Maßnahmen gegen Mobbing werden generell eine große Rolle spielen.
SH • Die Lehrerschaft wünscht sich Zusatzausbildungen zu Mobbing und Gewaltprävention. Deshalb ist hier die Partnerschaft mit der Pädagogischen Hochschule wichtig. Es wäre schon viel gewonnen, wenn es an jeder Schule ein oder zwei Lehrer gäbe, die in diesem Bereich ausgebildet sind.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom wird den Cluster Elternbildung leiten.
SH • Eltern und Familie sind die beiden wichtigsten Bildungseinrichtungen. Das klassische Familienbild hat sich verändert. Es gilt, das Verantwortungsbewusstsein der Eltern einzufordern, ihnen aber auch ein Bildungsangebot zu unterbreiten. Wir denken etwa an einen Elternbildungspass. Wer entsprechende Seminare besucht, erhält dafür eine gewisse finanzielle Leistung. Viele Eltern sind heutzutage mit der Erziehung ihrer Kinder teilweise überfordert. Vor allem was die Nutzung Sozialer Medien betrifft. Diese Unterstützungsangebote müssen so organisiert werden, dass sie Eltern auch in Anspruch nehmen können. Zum Beispiel, indem man sie am Samstagvormittag im Kindergarten durchführt, in dem auch die Kinder betreut werden können. Der fünfte Cluster unter der Leitung von Landesrat Karlheinz Kornhäusl wird sich zudem ganz auf die Sicherheit im digitalen Raum konzentrieren.
Vizekanzler Andreas Babler hat ein Alterslimit für TikTok und Co verlangt. Was halten Sie davon?
SH • Von einem pauschalen Social Media-Verbot bis zu einem gewissen Alter halte ich wenig. Facebook, Instagram und Co. sind ja per se nichts Gefährliches, aber der falsche Umgang damit ist es. Anstatt Soziale Medien zu verbieten, sollte vielmehr die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen gestärkt werden, aber auch die der Eltern. Aufklärung und Sensibilisierung stehen hier im Vordergrund. Die Steiermark war das erste Bundesland, das das Handyverbot erlassen hat.
Welche Rückmeldungen haben Sie dazu bekommen?
SH • Ausschließlich positive. Es hat ja in vielen Schulen dazu bereits Regelungen gegeben. Mit dem Erlass haben wir versicherungsrechtliche Fragen geklärt. Bisher war die Haftungsfrage nicht klar geregelt, mit dem Handyverbot haftet jetzt eindeutig der Dienstgeber. Ich finde aber als Vater, dass jede Minute, in der ein Kind nicht aufs Handy schaut, eine gewonnene Minute ist.
Foto: Benjamin Gasser






