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Grazetta

LIVE aus dem OP

Touch Surgery heißt die Technologie, mit der am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder live aus dem Operationssaal in einer App gestreamt wird. Welche Vorteile das System für die Ausbildung junger Chirurgen hat und wie damit „Tele-Consulting“ abläuft, erklärt Prim. Prof. Dr. Felix Aigner vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz im GRAZETTA-Interview.

GRAZETTAWie funktioniert die Touch Surgery-Technologie?
FELIX AIGNER • Es ist im Grunde eine Software, die in unser Video-Endoskopie-Programm integriert ist. Kurzum: Wir operieren minimalinvasiv, also laparoskopisch oder robotisch über kleine Zugänge. Die Bauchhöhle des Patienten wird mit Hilfe eines Laparoskops, also einer speziellen Kamera, für den Operateur auf einem Bildschirm sichtbar. Bisher konnten wir zwar schon Videos für Lehrzwecke aufnehmen. Die große Herausforderung war das Schneiden dieses Videos, da es viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich habe oft Wochenenden damit verbracht, um ein Video für einen Kongress zu erstellen. Sie müssen sich vorstellen, dass eine Standard-Operation auch Stunden dauern kann. Von diesem Videomaterial musste dann ein dreiminütiges Video geschnitten werden.

PRIM. PROF. DR. FELIX AIGNER
Vorstand der Chirurgischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz. Facharzt für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie, Europäischer Facharzt für Koloproktologie.

An dieser Stelle kommt nun die Touch-Surgery-Technologie zum Einsatz.
FA • So ist es. An den Videoturm im Operationssaal ist ein kleiner PC-Block angeschlossen. Dieser Computer spielt das Videomaterial, das über das Laparoskop aufgenommen wird, ein und verarbeitet es. Die integrierte Künstliche Intelligenz (KI) schneidet dann das Video.

Woher weiß die KI, an welcher Stelle das Video geschnitten werden muss?
FA • Sie ist auf Standardeingriffe trainiert. Standardeingriffe, wie eine Gallenblasenentfernung, laufen in der Regel immer nach standardisierten Schritten ab. Die KI lässt die Videosequenzen durch ein Raster laufen. Da sie auf die standardisierte Abfolge der Operation trainiert ist, erkennt sie zum Beispiel, dass in dieser Sequenz die Präparation des Gefäßes zu sehen ist. Wir haben die Geräte in zwei Operationssälen installiert. Ich nehme jeden Tag Videos auf. Mit diesen Bilddaten wird die KI immer weiter gefüttert.

Mit Touch Surgery können wir unsere jungen Chirurgen
noch effektiver ausbilden.

FELIX AIGNER

Was passiert mit dem Videomaterial?
FA • Wenn die Operation beendet ist, wird das Video und die einzelnen zugeschnittenen Sequenzen vom PC-Block über WLAN an eine App auf mobile Endgeräte geschickt. Diese App haben alle Mitarbeiter der Chirurgischen Abteilung installiert. In der App kann ich das Video dann beispielsweise für die Mitarbeiter freigeben oder Kommentare hinterlassen.

Was ist der größte Vorteil des Systems?
FA • Wir können damit unsere jungen Chirurgen noch effektiver ausbilden. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Die Kollegen bekommen am Tag vor einer Operation ein Video von mir und können sich so auf den Eingriff am nächsten Tag vorbereiten. Man muss nämlich sagen, dass im Klinikalltag leider immer weniger Zeit für die Ausbildung bleibt, da rund ein Drittel der Arbeitszeit für Administration und Schreibarbeiten aufgewendet wird. Daher ist diese Technologie für uns so wertvoll.

Ein weiterer Aspekt der Technologie ist das Livestreaming.
FA • Beim Livestreaming werden Wort und Bild aus dem OP in die App übertragen. Es funktioniert ohne großen Aufwand, man benötigt lediglich eine stabile WLAN-Verbindung. Was noch ein bisschen in den Kinderschuhen steckt, ist das ‚Tele-Consulting‘. Stellen Sie sich die Situation vor, dass der diensthabende Chirurg einen Notfall operiert und eine Frage an einen Kollegen hätte. Dieser Kollege kann sich auch zu Hause den Livestream ansehen und beratend zur Seite stehen. Was ich an dieser Stelle noch unterstreichen möchte, ist, dass die KI uns als Experten nicht ersetzt. Sie ermöglicht uns aber ein rascheres Eingreifen zum Wohle des Patienten.

Wie ist der datenschutzrechtliche Aspekt bei den Videos?
FA • Da die Technologie nur bei laparoskopischen Eingriffen genützt werden kann und das Innere des Körpers an sich anonym ist, brauchen wir keine Einwilligung des Patienten. Wenn ich allerdings die Kamera aus dem Körper herausziehe, verpixelt das Bild sofort. Somit sind weder Patient noch Personal erkennbar.

Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass neue Technologien im Krankenhaus eingeführt werden?
FA • Getreu unserem Motto ‚Gutes tun und es gut tun‘ sind wir immer bereit, medizinisch sinnvolle Innovationen einzuführen. Die KI sehe ich als ein unterstützendes Tool in jeder Hinsicht. Es ist für uns eine Entscheidungshilfe. Ein gutes Beispiel dafür ist das von der EU geförderte Classica Projekt, an dem wir teilnehmen. Das Ziel es ist, Mastdarm-Tumore, die grenzwertig groß sind, besser einschätzen zu können. Bisher gab es bei der endoskopischen Abtragung von Frühkarzinomen immer noch eine große Anzahl an unvollständig abgetragenen Tumoren. Die KI gestützte Software hilft uns, die Grenzen zwischen gutartigem und bösartigem Gewebe zu differenzieren. Folglich kann der Operateur schon während der OP entscheiden, ob er an dieser Stelle noch mehr Gewebe entfernt oder nicht.

Fotos: Conny Leitgeb; Werbung

V. Kauer-Vogrin

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