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“Denk mal neu”

In der Steiermark stehen etwa 5.000 Objekte unter Denkmalschutz. Eines davon ist das Prettnerhaus in Bad Radkersburg. Rundgang in einem „Steirischen Wahrzeichen“, begleitet von atmungsaktiver Geschichte.

Eigentlich könnte er im Ruhestand sein. Aber Ruhe ist nicht die Sache von Karl Maitz. Standhaftigkeit hingegen schon. Ebenso wie Akribie, Neugierde und ein scheinbar unermüdlicher Schaffensdrang. „Aktuell kümmere ich mich um drei Baustellen. Eine davon ist die komplette Renovierung eines Lokals, das im Frühjahr neu eröffnen soll“, blickt der Unternehmer ungeduldig durch die Glasfront seines Hauses, dem Prettnerhaus im Zentrum von Bad Radkersburg. Ein Wohn- und Geschäftshaus, erbaut zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert, seit 1835 nur im Erbweg weitergegeben, 2021 von Karl Maitz übernommen, eineinhalb Jahre revitalisiert und drei Jahres später mit dem „Steirischen Wahrzeichen“ ausgezeichnet. Als Karl Maitz das Tor aufsperrt und im Innengang innehält, steht er unter dem Schriftzug „Magistratus monumentorum locutus, causa finita: Das Denkmalamt hat entschieden, die Sache ist beendet.“ Somit stellt der Eigentümer schon zu Beginn der Besichtigung klar, dass er nichts dem Zufall überlassen hat. Er wollte Bausubstanz erhalten und die Lebensweise des gehobenen Bürgertums über die Jahrhunderte erzählen. Keine Kompromisse, sondern Revitalisierung auf über 700 Quadratmetern bis ins letzte Detail. Intensiver Austausch mit Experten der Baudenkmalforschung und des Steirischen Denkmalamtes und eine tiefgründige Generalsanierung, deren Umbaukosten sich allein mit 1,8 Millionen Euro beziffern lässt. „Ich wollte, dass die Geschichte in diesem Haus atmet. Und ich spüre, wie sie atmet.

Und obwohl ich in die Vergangenheit buchstäblich geflüchtet bin, war es mir wichtig, diese Substanz neu zu denken.“ Maitz ist mittlerweile im Innenhof angekommen. Dort wurden die Wände allesamt mit Kalk und Mörtel von Grund auf neu verputzt und somit wurde der „Atem des Hauses“ spürbar. Einen langen Atem bewies vor allem Karl Maitz selbst, als er unzählige alltägliche Gegenstände der Familie Prettner sanierte, archivierte und mit seiner eigenen Gemäldesammlung bis unter das Dach zu einem baukulturellen Museum formte. „Vom Kanal bis zum letzten Dachziegel waren Qualität und der Geist der Zeit stete Begleiter der Renovierung. Schritt für Schritt wurden Planung und Durchführung mit den Verantwortlichen abgestimmt.“ Dazu zählen neben Architekt Friedrich Ohnewein, Barbara Wonisch von der Conserve Denkmalforschung und Silvia Hudin, Referentin des Bundesdenkmalamtes auch heimische Firmen, die von Maitz mit der fachgerechten Umsetzung betraut wurden. Gemeinsam fand man nach dem Abtragen von drei Schichten zur Originalfarbe des Haustores, revitalisierte die Fassade, wie sie Mitte des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat, befreite die Salondecke in dreimonatiger Handarbeit von den Tapeten und ließ sämtliche Dachstützen nicht sandstrahlen, sondern von Hand bürsten.

“Wir versuchen, das Gebäude aufzuarbeiten und von seinem Ursprung bis heute zu verstehen.”

BARBARA WONISCH
Conserve Baudenkmalforschung OG

Karl Maitz ging es darum, dem Denkmal gerecht zu werden und gleichzeitig die Funktionalität zu gewährleisten. Dies ist gelungen. Ein Lift im Haus und ein Zubau im hinteren Teil des Hauses legen Zeugnis davon ab. „Wenn man sich im frühen Stadium der Planung mit allen Beteiligten zusammensetzt, ist vieles möglich“, resümiert der Bauherr. Dies bestätigt auch Barbara Wonisch von der Conserve Baudenkmalforschung, die mit der Baugeschichte des Pretternhauses bestens vertraut ist: „Natürlich ist es von Vorteil, wenn die Wünsche und Absichten des Bauherrn so früh wie möglich bekannt sind. Wir versuchen, das Gebäude aufzuarbeiten und von seinem Ursprung bis heute zu verstehen. Dabei unterstützen wir Eigentümer, die sensibel renovieren und Historisches entsprechend der Denkmalpflege erhalten wollen.“ Die Baudenkmalforschung gilt als Spezialbereich der Denkmalpflege, der Bauherrn und Planern als Ausgangsbasis dient, um den optimalen Weg einzuschlagen. Die Kompetenz der Conserve reicht dabei von kleinsten Objekten bis hin zu Schlössern, vom Mittelalter bis zu Bestandsbauten aus dem 20. Jahrhundert. In der Grundphase werden Pläne in den Archiven gesichtet, die Baugeschichte und der Zustand des jeweiligen Objektes ganzheitlich betrachtet. „Da wird dann vor Ort unter die Oberfläche geblickt und jene Bereiche, die von der Renovierung betroffen sind, analysiert. Zudem schaffen wir uns einen Überblick über das gesamte Gebäude bis ins Detail und ermöglichen damit eine fokussierte Weiterarbeit“, sieht sich Baudenkmalforscherin Barbara Wonisch von der Ersterfassung über die Baubegleitung bis zur Gesamtauswertung auch als Vermittlerin zwischen Bauherrn und Denkmalamt. Immerhin sei beiden daran gelegen, das Gebäude bestmöglich zu nutzen. Was nutzt es Karl Maitz? Als Raum für seine private Sammlung, die über 200 Gemälde umfasst? Zwölf sind von der Malerin Maria Egner, die 1850 in Bad Radkersburg geboren wurde. Um Nutzen geht es ihm nicht.

Er möchte erhalten, zeigen und weitergeben, inmitten von Bildern, chinesischen Vasen und Raritäten eine Art „Wiener Salon“ wieder erwecken aber auch seine Sehnsucht nach Bausubstanz und Kunst miteinander verbinden. Dort, wo es die Räume hergeben. Im ältesten Teil des Hauses, in dem sich früher die Dunkelkammer des Fotografen Richard Prettner befand, entstand ein Bad,  das von Minimalismus geprägt ist. Nur die Ästhetik der Architektur soll wirken. „Wird ein denkmalgeschütztes Objekt verändert, ist es wichtig, vorab genaue Kenntnisse darüber zu haben. Denn für jede Veränderung bedarf es einer Bewilligung, die gesetzlich verankert ist“, erklärt Silvia Hudin vom Steirischen Landeskonservatorat des Bundesdenkmalamts. Als Gebietsreferentin für die Südoststeiermark war sie Ansprechperson für die Revitalisierung des Prettnerhauses. Grundlegend gilt: Ein Gebäude ist denkmalgeschützt, wenn es von geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung ist und dessen Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt.

Entscheidend sind hierfür nicht allein das Baujahr, sondern auch Seltenheitswert, Ursprünglichkeit oder städtebauliche Funktion. Die Eintragung erfolgt über das Denkmalamt in einer Liste, die auf der Homepage des Bundesdenkmalamtes abgefragt werden kann oder im Grundbuch ersichtlich ist. „Wir sind nicht nur Behörde, sondern auch Fachberatung und Förderstelle, die sich um das Ansuchen und die Abwicklung kümmert“, sagt Hudin.

Bei der Revitalisierung des Hauses aus dem 16. Jahrhundert
machte der Eigentümer keine Kompromisse.

Ihrer Erfahrung nach kann es sich bei denkmalgeschützten Objekten um wahre „Überraschungspakete handeln“, bei denen man im Vorhinein nicht wissen könne, was einen erwartet. „Insofern ist es am besten, dass schon am Beginn der Planungsphase der Kontakt mit dem Architekten oder Bauherren zustande kommt. Nach der Bewilligung gibt es zu Baubeginn mit den ausführenden Firmen eine Besprechung vor Ort. Fakt ist aber auch, dass nicht alles von Anfang an definiert werden kann, weil es immer mehrere Zugänge und Lösungsmöglichkeiten gibt. Außerdem gilt es, die wirtschaft lichen Aspekte im Blick zu haben.“ Bis zu 270 Projekt begleitet das Landeskonservatorat in der Steiermark jährlich bei Instandsetzungs- und Restaurierungsvorhaben. Dazu zählen gesamtheitliche Revitalisierungen wie das Prettnerhaus ebenso wie Pflegemaßnahmen an Dach, Fassade oder einem Sockel. „Da geht es etwa um Putzausbesserungen oder die Auswahl des passenden Farbmaterials. Letztendlich soll die Ergänzung nicht wahrgenommen werden und dafür stimmen wir uns mit den Gewerken ab, wie dies gelingt und begleiten sie auf diesem Weg. Den ganzen Prozess über sind wir am Laufenden und nehmen zum Schluss die Abnahme vor, die es für die Auszahlung der Förderung braucht“, erklärt Silvia Hudin.

Wir sind nicht nur Behörde, sondern auch Fachberatung und Förderstelle.

SILVIA HUDIN
Landeskonservatorat Steiermark

Vorbei an der Bibliothek mit unzähligen Büchern, Zeitungen, deren älteste Ausgabe bis ins Jahr 1650 zurückreicht, und mit Tausenden von Schellack Schallplatten, betritt Karl Maitz den Dachstuhl. „Die Bibliothek war vorher ein maroder Schuppen und der komplette Dachboden eine reine Rumpelkammer. Statisch war das eine Herausforderung, die Sanierung des historischen Dachstuhls ist dennoch perfekt gelungen“, führt er vorbei an antiken Regalen voll Flaschen und Schachteln. Sie erinnern an die Zeit, als das Erdgeschoß des Hauses noch als Drogerie fungierte. Eines von tausend Details, die sich unter einem einzigen Dach finden. Eine weitere Kulturgeschichte des Alltags. Zu einem Gesamtkunstwerk vereint.  

Fotos: D. Leis, Privat

P. Kovacs-Merlini

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