Die Agentur MORE ist mehr als Consulting. Weil Kristin Orthacker und ihr Geschäftspartner Gerhard Merdonik miteinander Philosophie, wirtschaftspsychologischer Beratung, Supervision und Expertisen aus dem internationalen Handelsmanagement verbinden. Das erfüllt Unternehmen erfolgreich mit Leben.

GRAZETTA • Mit Ihrer Consulting Agentur MORE beraten Sie Unternehmen mit Ehrgeiz, Verständnis, Fachwissen, hoher Handlungsorientierung und einer Brise Humor. Wird in der aktuellen wirtschaftlichen Situation noch viel gelacht?
KRISTIN ORTHACKER • Humor ist nicht nur zum Lachen. Er signalisiert Leichtigkeit im Tun und Sein und in Entscheidungen. Auf der Wirtschaft und auf Unternehmen lastet viel Druck und ihre Situation ist von Ernsthaftigkeit begleitet. Wenn wir in diese Situationen eine gewisse Leichtigkeit hineinbringen, verhindern wir damit Stagnation. Und somit auch Prozesse, die von Angst gesteuert sind. Das Leben darf nämlich auch leicht sein und für die Mitarbeiter und Teams in Unternehmen werden die Entscheidungen dadurch klarer und dynamischer. In unserer Beratung sehen wir in erster Linie nicht die Entscheider, die Geschäftsführer und die Mitarbeiter, sondern den Menschen und das gesamte Spektrum der Menschlichkeit. Zu lernen die Unsicherheiten in das Leben und in die Tätigkeiten zu integrieren, ist entscheidend. Das gelingt mit einer Prise Humor. Das generiert einen Mehrwert für die gesamte Entscheidungsvielfalt.
Grundsätzlich ist der Mitarbeiter ein Mensch und kein Kapital.
GERHARD MERDONIK
Sie haben in Philosophie promoviert, haben eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin absolviert. Kommunikationstraining, das Coaching von Führungskräften und wirtschaftspsychologische Supervision gehören ebenfalls zu Ihren Kernkompetenzen. Was ist Ihre unternehmerische Philosophie?
KO • Ich habe mit vielen Führungskräften auch auf internationaler Ebene gearbeitet und es ist ein Paradigmenwechsel in der Unternehmenskultur spürbar. Heute reicht es nicht mehr, Zahlen und Fakten zu analysieren. In die Entscheidungsfindung müssen Aspekte miteinbezogen werden die Wirtschaft und Menschlichkeit miteinander verbinden. Damit werden bereits philosophische Ansätze im Management angewandt. Zusammen mit Gerhard starteten wir vor Jahren mit dem „Philosophicum Oeconomicum“ eine Eventreihe, in der Führungskräfte und Entscheidungsträger über die ethischen und sozialen Dimensionen ihres Handelns nachdenken. Gleichzeitig entstehen dort Räume, in denen sich Praxis und philosophische Theorie begegnen. Unsere Klienten profitieren von der Tiefe dieser Synergien und erhalten einen transzendenten Blick auf ihre Situation und was im Unternehmen möglich ist.

Als ausgebildete psychologische Beraterin, Philosophin, Führungskräfte-Coach, Kommunikationstrainerin und Expertin in der Personalentwicklung bietet Kristin Orthacker mit ihrer Agentur MORE mehr als nur Consulting.
GERHARD MERDONIK • Meiner Meinung nach sollte ohne philosophische Ansätze kein Unternehmen mehr geführt werden. Am besten wäre, jeder Geschäftsführer hätte eine philosophische Ausbildung, weil dies speziell in Krisenzeiten unterstützt. Die Philosophie nimmt Einfluss auf das aktive Führen von Mitarbeitern und den empathischen Austausch. Das ist immens wichtig für den Erfolg des Unternehmens abseits des täglichen Geschäfts.
Während Sie Herr Merdonik Expertisen im internationalen Handelsmanagement liefern, liegt die Kompetenz Ihrer Geschäftspartnerin Kristin Orthacker unter anderem im psychologischen Wirtschaftscoaching. Wie greifen diese beiden Bereiche ineinander?
GM • In dem sie sich ergänzen, weil unserer Erfahrung nach das Eine ohne das Andere nicht zielführend ist. Denn das Portfolio der Agentur MORE sorgt für die Weiterentwicklung der Mitarbeiter, vernetzt die Geschäftsfelder und erschließt neue Märkte unabhängig der Branche und der personellen Ebene. Mit der Agentur gründung vor fünf Jahren bündelten wir Psychologie und Philosophie mit umfassender Erfahrung im Handelsbereich. Damit haben wir die Zeichen der Zeit erkannt, da eine einseitige Beratung nicht mehr ausreicht, sondern komplex agieren muss.
Ihrer Meinung nach zeigt sich die Qualität einer Führungskraft vor allem in kritischen Situationen.
GM • Nur wenn man den wirtschaftlichen Teil kennt, ist es möglich den menschlichen Faktor in einem Unternehmen zu entwickeln. Auf dieser Kombination gilt es mit Positivität aufzubauen. Eine Krise ist immer auch als Chance zu sehen, aus der neue Dynamik entsteht. Wir beraten mit einer breiten Expertise und entwickeln weiter. Vorrangig in mittelständischen Handels- und Produktionsunternehmen auf nationalen wie internationalen Märkten. Essenziell dabei ist, dass diese eigentümergeführt sind, weil für uns die persönliche Bindung eine wesentliche Rolle spielt. Von unserer Synergie, unserer Investitionsbereitschaft und Beteiligungstätigkeit profitieren auch immer wieder spannende Start-ups.
Eine rein externe Beratung ist nicht effizient.
KRISTIN ORTHACKER
Insofern sind wir keine klassische Beratungsagentur.
Gerade in herausfordernden Zeiten suchen Unternehmen mit externer Beratung nach Unterstützung. Aber kann diese eigentlich nicht nur mit internen Prozessen effizient wirken?
KO • Eine rein externe Beratung ist nicht effizient. Insofern sind wir keine klassische Beratungsagentur. Wir arbeiten mit der Geschäftsführung und der Personalabteilung zusammen und legen mit unserer Potenzialanalyse das Fundament für die Weiterentwicklung, die intern individuell aufgesetzt wird. Denn welchen Einblick erhält ein externer Berater den wirklich? Man kann einen Prozess nie nur von außen einleiten.
Worum geht es bei dieser psychologische Potenzialanalyse zur Förderung individueller Entwicklung und teambezogener Innovationsprozesse?
KO • Ein Studium allein reicht nicht, wenn man mit Menschen effizient arbeiten will. Im Zuge der Leistungssteigerung ist praktische Erfahrung unerlässlich. Diese habe ich in der Personalentwicklung von zwei Handelsunternehmen und in der Geschäftsstellenleitung gesammelt. In bereits kurzer Zeit setzt oft eine Betriebsblindheit ein, wodurch notwendige Veränderungsschritte weder erkannt noch umgesetzt werden. Mit einfachen Tools können Prozesse so verändert werden, dass Potenziale erkannt und optimiert werden. Menschen werden nicht nur in der Kindheit geprägt, sondern ebenso im Erwachsenenalter durch negative wie auch positive Einflüsse.
GM • In unserem Fall werden Stärken und Kräfte zusammengestellt und dort eingesetzt, wo sie im Unternehmen gebraucht werden. Vor allem in Einzelcoachings und Settings können Potenziale auf eine effektive Ebene gehoben werden. Und auf etwaige Defizite wird mit erlernter psychologischer Erfahrung konstruktiv reagiert.
KO • Diese Potenziale schlummern nicht nur in Unternehmen, sondern ebenso in der Gesellschaft. Als Präsidentin der Soroptimistinnen International Club Graz Rubin bringe ich mein psychologisches Handwerk ein, um Frauen und Mädchen in Bezug auf Gesundheit, Gewaltprävention und Bildung zu unterstützen. Zusätzlich bin ich für den Verein Achterbahn tätig, da psychische Gesundheit für mich einen hohen Stellenwert hat.
Viele Unternehmen bezeichnen Ihre Mitarbeiter als das größte Kapital für Wachstum und Erfolg. Ihrer Meinung nach eine Grundmaxime?
GM • Die Aussage kann ein Kalenderspruch sein, wenn man nichts dazu beiträgt. Grundsätzlich ist der Mitarbeiter ein Mensch und kein Kapital. Daher sollte jedes Unternehmen mit den Menschen menschlich umgehen. Am schlimmsten ist, wenn in der Geschäftsführung Entscheidungen getroffen und gegenüber den Mitarbeitern nicht kommuniziert werden. Wir waren beide in den letzten Jahren immer wieder in interimistischer Funktion als Geschäftsführer, Gesellschafter und Unternehmer auch Sparring-Partner für reflektierende Prozesse. Hinterfragen ist in einer führenden Funktion essenziell. Und dafür braucht es einen Zustand der persönlichen Ausgeglichenheit.

KO • Fakt ist, dass das Gehirn einer Überreizung ausgesetzt ist. Herausfordernde Phasen führen bei Entscheidungsträgern häufig zu Depressionen und Burn-Out. Die Gehirnwellen müssen wieder verlangsamt und harmonisierend arbeiten, dann werden auch andere Entscheidungen getroffen werden. Und diese Entscheidungen werden wie schon erwähnt mit Leichtigkeit und Humor herbeigeführt. Aus Th eorie und Praxis weiß ich, dass intrinsisches Glück erlernbar ist. Dieses Glück ist tiefgründiger, beständiger und entsteht aus dem eigenen Tun unabhängig von Geld oder Anerkennung. Im antiken Griechenland gab es den Begriff „Eudämonie“. Laut Aristoteles ist Eudämonie das Endziel, um dessen selbst willen alle Handlungen angestrebt werden. Emotional lässt es sich mit einer „Lebensfülle“ bei der erfolgreiche Aktivitäten im Vordergrund stehen, interpretieren. Genau darum geht es uns.
Gibt es Menschen, die das Talent zu führen in sich tragen?
GM • Führungskraft zu sein heißt auch immer, Vorbild zu sein. Das gilt für eine erfolgreiche Performance, aber man trägt auch die Verantwortung, wenn die Erfolge ausbleiben. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen. Empathie und emotionale Intelligenz betrachte ich als unumgängliche Basis für eine gute Führungskraft. Ob das mit Talent zu tun hat, weiß ich nicht. Aber es ist auf alle Fälle lernbar.
KO • So ein naturgegebenes Ausnahmetalent habe ich noch nicht kennengelernt. Sehr wohl aber Menschen, die lernfähig sind und sich weiterentwickelten. Um den Ökonomen Peter Drucker, ein Pionier der modernen Managementlehre, zu zitieren: „Im Grunde muss eine Führungskraft nur eine Person führen – und das ist sie selbst.“ Jeder Tag ist da, um zu lernen, wie ich auf Menschen, Teams und Situationen reagiere und wie sich mein Verhalten auswirkt. Als Supervisorin bin ich direkt in Fälle involviert, in denen einzelne Verhaltensmuster im Zuge der erwähnten Potenzialanalyse relativ rasch verändert und optimiert werden. Jede Führungskraft behauptet von sich, dass sie gut ist. Und viele wollen in diese Funktion kommen und sich behaupten. Unserer Erfahrung nach bleiben etwa 40 Prozent der personellen Potenziale in Unternehmen ungenutzt. Durch intrinsische Motivation, Supervision und Coachings werden diese Potenziale erweckt und füllen das eigene Leben aus.
Fotos: Benjamin Gasser
Styling: Nägele & Strubell Graz






